Auswertung der Syndikat Tag-X-Sponti

© Oliver Feldhaus

Das Syndikat ist geräumt. Mit dieser Räumung haben wir eine Niederlage in der aktuellen Phase einbüßen müssen. Die Pläne des Syndikats am Räumungstag sich die Straße vor der Kneipe zu nehmen, wurden durch die Cops verhindert, indem sie kurzfristig eine Sperrzone darum errichteten. So nahmen die Cops Menschen die Möglichkeit, mit ihren Körpern die Räumug zu erschweren. Dass die Cops anders als 2017 bei der Räumung der Friedel54 schon 24 Stunden früher anrückten und den Kiez zum Belagerungsgebiet machten, belegt jedoch auch ihre Angst vor einer wiedergewonnenen Stärke unsererseits.

In der Interkiezionale-Versammlung am 05.08. wurde versucht auf diese Polizeistrategie zu reagieren. Ideen von Blockaden und Chaos im Kiez wurden besprochen. Die Umsetzung dieser Protestformen am Tag X blieb jedoch Bezugsgruppen selbst überlassen, da kein größerer Rahmen zur Organisierung und Orientierung gestellt wurde (wie z.B. Blockaden zentral zu koordinieren und eine „Fingerstruktur“ zu stellen wie es z.B. bei Ende Gelände passiert).

Wäre es uns anders möglich gewesen, die Räumung zu verhindern?
Mit dem Staat und den Kapitalinteressen haben wir es mit sehr mächtigen Gegnern zu tun. Bei der Räumung des Syndikats, wie bei jeder Zwangsräumung, geht es unseren Gegnern niemals nur um die eine Räumlichkeit. Während PearsGlobal sein Eigentum schützen will, um mehr Profit zu machen, schützt der Staat es, um das Prinzip von Privateigentum zu erhalten, welches im kapitalistischen System grundlegend ist. (Ver-)Mietverhältnisse sind eine Methode das Klassensystem aufrecht zu erhalten. Unser Kampf gegen Zwangsräumungen ist daher immer auch ein Kampf gegen das kapitalistische System und seine Logik von Privatbesitz und Mietenzwang als solches.

Als Interkiezionale haben wir uns als bedrohte Projekte verbunden. Nicht allein weil wir zusammen stärker sind gegen dieses Schweinesystem, sondern auch weil wir wissen, dass es in unserem Kampf nicht allein um die Räumlichkeiten der bedrohten Projekte geht. Als Interkiezionale verstehen wir uns als Teil einer Bewegung, die gegen Verdrängung und gleichzeitig für Räume einer emanzipatorischen Bewegung in Berlin kämpft. Die Räumung des Syndikats kann nicht allein für sich betrachtet werden, sondern wird von uns immer in Zusammenhang mit dem Kampf um weitere bedrohte Räume und gegen das System an sich gesehen. Auch finden wir es wichtig zu sagen, dass der Kampf nach einer Räumung nicht vorbei ist. Kollektive finden manchmal noch Jahre später neue Räumlichkeiten. Gleichzeitig können Räumungen auch die Bewegung durch Politisierung, Radikalisierung und Organisierung stärken (z.B. Liebig 14, Lausitzer 8). Die Versammlung nach der Räumung des Syndikats zeigt beispielhaft die Motivation der Unterstützer*innen nicht aufzugeben (https://syndikatbleibt.noblogs.org/post/2020/08/17/der-kiez-nach-der-raumung-wutend-schockiert-aber-es-muss-weitergehen/).

Strategie gegen Räumungen?
Wir wollen in diesem Text die Syndikat-TagX-Sponti auswerten. Vorab ist es uns wichtig zu betonen, dass die Strategie der Interkiezionale Räumungen zu verhindern aus weitaus mehr besteht als aus der Vorbereitung von TagX-Spontis. So gibt es den bestehenden Aufruf zu dezentralen Aktionen, um die Projekte sichtbarer zu machen, Unterstützung zu mobilisieren und den Preis für (angedrohte) Räumung(en) in die Höhe zu treiben. Es gab in den vergangenen Jahren etliche Aktionen in Solidarität mit den bedrohten Projekten und damit die Idee wofür sie stehen. Außerdem machen wir regelmäßig offene Versammlungen, was in Berlin seit langem keine etablierte Praxis mehr ist. Mit offenen Versammlungen wollen wir einen Ort schaffen, der Diskussionen, Austausch, Vernetzung und Vertrauensbildung dient und der eben für alle (die unsere Werte teilen) zugänglich ist. Zu guter letzt sind es Demos, mit denen wir unserer Verbundenheit Ausdruck verleihen und eine kollektive Stärke auf der Straße aufbauen.

Es bleibt unser Ziel, bevorstehende Räumungen zu verhindern. Wie oft kann der Senat es vertragen, wäre jede Zwangsräumung mit viel Protest begleitet? Können wir den Grad der Mobilisierung wie er auf der Demo am 01.08. und um die Räumung vom 06.07.08. aufrecht erhalten? Schaffen wir es vielleicht sogar noch mehr Menschen bei der nächsten (möglichen) Räumung auf die Straße zu bringen? Schaffen wir es, uns besser zu organisieren und damit noch handlungsfähiger zu werden? All diese Fragen begleiten uns, wenn wir einzelne Aktionsformen wie die letzte Tag-X-Sponti bewerten.

Warum eine Sponti?
„Sponti“ steht für „spontane Demonstration“. Im Fall des Syndikats war der Räumungstermin angekündigt, weshalb die Spontanität nur auf die Ankündigung des Ortes zutrifft. Da wir jedoch von unangekündigten und kalten Räumungen/ Räumungsversuchen ausgehen müssen, halten wir weiter an dem Begriff „Sponti“ fest. Wir haben mehrere Ziele mit den Spontis. Zunächst wollen wir eine öffentlich angekündigte Aktion anbieten damit am Tag der Räumung mindestens eine Form von offensivem Protest stattfindet, die für viele zugänglich ist. Da die bedrohten Projekte eigene Konzepte zu ihrem Tag X entwickeln, wollen wir als Interkiezionale an der Stelle ansetzen, wo ein geräumtes Projekt selbst wenig handlungsfähig ist – direkt nach der eigenen Räumung. Zusätzlich wollen wir Raum schaffen für Menschen, nach der Räumung nicht in Ohmacht zu fallen sondern zusammen zu kommen und die eigenen Gefühle auf die Straße zu tragen.

Unser taktisches Vorgehen bzgl. der Tag X-Syndikat Sponti bewerten wir als nicht gelungen. Wir werden aus dieser Niederlage lernen, weiter planen, um beim nächsten Räumungsversuch taktisch klüger der Verdrängung zu entgegnen. Es gilt grundsätzlich zu überlegen: Sind Spontis das Mittel der Wahl oder müssen wir andere Konzepte für die Tage der Räumung und die Zeit davor finden? Falls ja, wie müssen wir die Planung und die Umsetzung anpassen?

Eine sehr kurze Sponti
Die Interkiezionale mobilisierte öffentlich für eine Sponti am Tag X um 21 Uhr und auch für das Konzept, den Startpunkt öffentlich anzukündigen. Am Tag vor der Räumung wurde über diverse Kanäle (Blog, Telegram, Aktionsticker, Twitter) die Info verbreitet, dass am Tag X um 17 Uhr der Startpunkt veröffentlicht würde. Dies passierte dann mit dem Hinweis pünktlich zu erscheinen.

Um 21 Uhr hatten sich bereits mehrere hundert Leute auf dem Richardplatz gesammelt. Etwa um 21.10 Uhr gab es ein (zu leises) Startsignal. Der recht kleine erste Block war leider bereits relativ nah in Richtung Karl-Marx-Straße aufgestellt, sodass es für andere zeitlich kaum möglich schien, sich hinter dem Block zu sammeln bevor er auf die erste Polizeikette stieß (etwa in Höhe Dr.Pogo). Nach ein paar Tritten und Schlägen von den Cops gab es ein weiteres Signal mit dem Ziel in eine andere Richtung zu starten. Doch bewegte sich die Masse nun, ohne Frontblock oder Reihe in Richtung Kirchhofstraße (eventuell war eine ungeplante Vuvuzela mit verantwortlich). Auch wenn es Menschen an der Spitze schnell gelang sich in ein paar Reihen zu formieren, holten auch die Cops die Spitze nach wenigen Metern ein. Sie kamen zu Fuß, von vorne aber auch von hinten vom Richardplatz, vorbeigedrängt an der Menschenmasse. In der leicht kontrollierbaren Kirchhofstraße konnten sie relativ leicht die Spitze angreifen, ohne große Verlute davon zu tragen. Die Masse wich schnell zurück und die Demospitze war allein. Innerhalb weniger Minuten hatten die Cops zwei Kessel errichtet. Eine Person erlitt eine Platzwunde am Kopf. Auch wenn es einzelne Konfrontationen gab und einige Menschen so noch aus dem Kessel kamen, war die Situation schnell statisch. Nach einer Weile erlaubten die Cops Menschen einzeln den Kessel zu verlassen, wobei es mindestens zwei Festnahmen gab.

Auswertung
Ortswahl:
Aufgrund der starken Kiezverankerung des Syndikats wurde beschlossen die Sponti in Neukölln stattfinden zu lassen, sodass die Nachbarschaft daran teilnehmen könnte. Da Absperrungen und hohe Polizeipräsenz im Schillerkiez zu erwarten war, entschieden wir uns gegen einen Startpunkt in unmittelbarer Nähe des Syndikats. Rückblickend war der Ort ein schlechter Kompromiss zwischen Nähe und Distanz zum geräumten Projekt. Aufgrund der vorherigen Räumung und der Angst der Cops vor anschließenden Aktionen, war ihre Präsenz weiterhin sehr hoch. Das machte es ihnen leicht, schnell viele Kräfte zusammen zu ziehen. Dennoch war der Startpunkt zu weit vom Syndikat weg, um mit dieser Nähe nochmal eine deutlich emotionalere Stimmung erzeugen zu können. Beide Konzepte haben ihre Vorteile, müssen dann aber klarer verfolgt werden was uns nicht gelungen ist. Diese Erfahrung werden wir in die Diskussion um künftige Orte einfließen lassen.
Zudem ist zu sagen, dass spontan zusätzlich eine Nachbarschaftsdemo im Kiez für den Nachmittag organisiert und dabei die Spaltung zwischen „friedlicher Nachbarschaftsdemo“ und „wütender Sponti“ aufgemacht wurde. Zum einen bedauern wir dies politisch, zum anderen bzgl. des Konzepts inklusive Ortswahl, welches beides vereinen sollte.

Startpunkt:
Die Wahl fiel auf den Richardplatz, da dieser viele Zugangs und Schleichwege hat. Im Nachhinein ist klar, dass dies ein taktischer Fehler war. Als Orga haben wir unterschätzt wie einfach die Straßen von den Cops abgeriegelt werden können. Dazu kam, dass es am Richardplatz keine zu schützenden Objekte gibt, weswegen sich die Cops komplett auf die Demo konzentrieren konnten. 

Anmeldung:
Es wurde sich im Vorhinein entschieden, die Sponti weder davor, noch vor Ort anzumelden. Durchaus ist die Anmeldung einer Sponti eine Option. Dahinter steht die Diskussion, ob eins sich den Cops beugen will. Im Fall der Syndikat-Tag X-Sponti wurde sich letztendlich gegen eine Anmeldung entschieden, da im Orga-Kreis die Vorstellung, nach einer Räumung mit den Cops über eine Anmeldung zu verhandeln, als keine Option gesehen wurde. Damit wurde in Kauf genommen, dass es schon früh zu einer Eskalation kommen könnte. Hier gab es den Anspruch, stark genug zu sein, die Sponti unangemeldet durchsetzen zu können bzw. eine frühe Eskalation hin zu nehmen.
Wie zu erwarten waren die Cops vor Ort gut aufgestellt und bewiesen eine Null-Toleranz-Politik. Der Richardplatz und alle davon abgehenden Straßen waren voll mit Cops, welche fast alle außerhalb ihrer Wagen standen und engmaschig platziert waren. Deswegen konnten sie beim Start der Demo sehr schnell reagieren. Gepaart mit Schwächen auf unserer Seite vehinderte dies ein Laufen.

Auch wenn der Vorbereitungskreis flexibel auf Situationen reagieren kann, macht es nur bedingt Sinn, von einer vorher angekündigten Strategie abzuweichen. Ein Konzept wie das geplante birgt viele unbekannte Variablen und es kann im Einzelfall durchaus sinnvoll sein spontan eine Route anzumelden, wenn die Gesamtsituation vor Ort (Anzahl und Taktik der Cops, Anzahl und Stimmung der Teilnehmer*innen) ein selbstbestimmtes Durchsetzen der Demo nicht ermöglicht oder aber eine Konfrontation nicht gewollt ist. Demonstrationen sollen uns motivieren und empowern, nicht verehizen oder sich wie eine Niederlage anfühlen.

Mobilisierung: Die Interkiezionale mobilisiert seit Monaten für die Sponti mit dem Hinweis, dass der Startpunkt am Tag X veröffentlicht wird. Es wurde weit im Voraus die Entscheidung getroffen, dass wir als Interkiezionale öffentlich mobilisieren wollen, um solche Aktionen auch Menschen zugänglich zu machen, die wir anders nicht erreichen. So können mehr Menschen an der Aktion teilnehmen, vor allem auswärtige haben so einen besseren Zugang.
Im Nachhinein erhielten wir das Feedback, dass einige Menschen wegen der öffentlichen Ankündigung nicht gekommen sind. Andere Menschen kamen und wussten nicht, dass es eine unangemeldete Demo sein sollte. Dies deutet darauf hin, dass wir in unserer öffentlichen Kommunikation im Vorfeld zum Teil gescheitert sind und den Charakter zukünftiger Spontis noch klarer kommunizieren müssen. Doch sehen wir Menschen auch in der Verantwortung sich selbst zu informieren und sich frühzeitig (z.B. in unseren Vollversammlungen) in strategische Diskussionen einzubringen.
Mit der späten Veröffentlichung des Startpunkts erhoffte wir einen strategischer Vorteil gegenüber den Cops. Vier Stunden scheinen ausreichend für die Cops um sich vorzubereiten. Gleichzeitig befürchteten wir, weniger Menschen zu erreichen wäre die Verspätung zu einer späteren Stunde.
Wir denken aber, dass es möglich ist den Startpunkt viel später zu veröffentlichen und trotzdem vielen eine Teilnahme zu ermöglichen, wenn sich das Zeitfenster rein an der möglichen Anreise zum Startpunkt orientiert und alle potenziellen Teilnehmer*innen „in den Startlöchern“ stehen.
Generell war es für uns als Orga schwer einzuschätzen, wie viele Leute unserem Aufruf zur Sponti folgen würden. Wir waren von über 500 Menschen positiv überrascht. Wir hoffen, dass die Erfahrungen aus der Sponti am 07.8. nicht dazu führt, dass sich viele aus Frust oder Angst an zukünftigen Aktionen dieser Art nicht mehr beteiligen. Wir wollen in einen solidarischen Austausch treten, aus den Fehlern lernen und gemeinsam versuchen es das nächste Mal besser zu machen.

Belastungsgrenze:
Ein großer Fehler war es, unsere Strukturen bzw. die Bewegung zu überfordern. Nach der Demo am 01.08. und der Nacht ums Syndikat war eine dritte Aktion mit Bullenstress innerhalb einer Woche viel.  So war der Grad der Vorbereitung gering, die Organiserung also insgesamt zu schwach um die Demo gegenüber den Cops durchzusetzen. Hier stellt sich die Frage, ob nach einer langen Räumung eine abendliche Aktion überhaupt sinnvoll ist oder diese besser mit etwas Abstand (Tag X+1) stattfinden sollte. Gleichzeitig ist es uns wichtig, die Ohnmacht, die viele Menschen nach einer Räumung empfinden aufzufangen und eine Möglichkeit zu bieten auf die Straße zu gehen.

Anti-Repression:
Als Trostpflaster bleibt, dass die Cops wohl selber etwas abgekämpft waren und die Masse der Leute ohne Festnahmen/Personalienfeststellung abziehen konnte. Wir denken, dass trotz mindestens 10 Tatbeobachtern (zivile Cops, die in „szenetypischer Kleidung“ in der Demo mitlaufen) und Kessel, 3-5 Festnahmen eine gute Quote sind gemessen daran, dass es durchaus einige offensive Auseinandersetzungen mit den Cops gab. Doch müssen wir uns auch hier nochmal für einen wieder unterbesetzten Gesa-Support entschuldigen, der insbesondere nicht darauf vorbereitet war, dass einzelne Personen bis zum Mittag des nächsten Tages festgehalten wurden. Auch wenn es müßig ist, macht es einen Unterschied wie viele Leute eine*n vor der Gesa abholen. Das ist ausbaufähig.
Falls ihr Repression erfahren habt oder für anfallende Repressionskosten spenden wollt, meldet euch beim Syndikat: https://syndikatbleibt.noblogs.org/post/2020/08/12/wir-lassen-niemanden-alleine-we-dont-leave-anyone-alone/

Kollektives Verhalten auf der Demo:
Insgesamt sehen wir den Grad an Organisierung und Motivation auch um den Tag X herum als positiv, gemessen daran, dass in Berlin viele Menschen häufig unorganisert und unvorbereitet auf Demonstrationen gehen. Wir haben wahrgenommen, dass Menschen organisert und vorbereitet waren, was uns freut. Ohne unsere Verantwortung als Orga-Struktur abzuweisen, sondern viel eher auch um in dem kollektiven Verhalten Probleme des Konzeptes zu suchen, wollen wir trotzdem auf Dynamiken unter den Teilnehmer*innen eingehen:
Wir müssen davon ausgehen, dass es vielleicht wieder überwiegend panisches Verhalten war, was dazu führte, dass die Masse ohne Reihen oder ähnliches anfing sich in die Kirchhofstraße zu bewegen. Wegrennen vor den Cops charakterisierte größtenteils die Bewegung der Menschen an dem Abend.
Der
gekesselte erste Block und seine Durchbruchsversuche wurden wenig unterstützt. Dabei ist die Einschätzung des Frontblocks, dass ein Durchkommen durchaus möglich gewesen wäre mit einem entschlossenen Block und einer solidarischen Masse dahinter. Stattdessen ließen sich viele Menschen schnell zurück fallen und überließen die ersten Reihen sich selbst bzw. den Cops. Die Distanz von der größeren Menschenmenge zum Kessel wurde schnell groß. Leute rannten weg, als Cops den Kessel zogen und dabei Menschen auf ihrem Weg verprügelten. Es wurde den Cops so sehr einfach gemacht, Reihen zu ziehen und Kessel zu bilden.
Die Lücke zwischen Kessel und Masse am Richardplatz wurde trotz der irgendwann eher statischen Lage auf dem Richardplatz nicht versucht zu schließen. Genauso wenig nutzten Menschen außerhalb des Kessels ihre Position, um die Cops zu bepöbeln, sie so zu verunsichern und ggf. sogar dazu zu bewegen, den Kessel auflösen zu müssen. Dieses Nicht-Handeln sehen wir im Zusammenhang mit Unerfahrenheit aber auch einer geringen Verantwortungsübernahme von Gruppen auf Aktionen. Wir würden uns wünschen, dass ein verantwortungsbewusstes und solidarisches Handeln selbstverständlich ist.
Natürlich verstehen wir die Angst vor gewalttätigen Übergriffen durch Cops und es ist Quatsch sich unnötig verprügeln und pfeffern zu lassen. Dennoch denken wir, dass wir mehr Selbstvertrauen haben sollten und uns mehr Handlungsoptionen (wieder) aneignen sollten. Schon die Demo am 01.08. hat leider gezeigt, dass Cops oft nicht einmal direkte Gewalt anwenden müssen, um eine Menge zu zersprengen, sondern das schon wenige, rennende Cops ausreichen, um Panik zu verbreiten. Gleichzeitig hat bspw. die nächtliche Blockade der Hermannstraße während der Syndikatsräumung gezeigt, dass ein entschlossenes und kollektives Vorgehen möglich ist und die Taktik der Cops durch Panikmache die Kontrolle zurück zu erlangen effektiv verhindert werden kann. Wir, als Orga-Struktur wollen nach mehr Kollektivität und Solidarität auf Massenaktionen streben, um uns selbst und andere besser zu schützen und flexibel und handlungsfähig zu sein.

Fazit
Die Sponti nach der Syndikat-Räumung war ein Versuch mehr Handlungsmöglichkeiten, abseits von längerfristig im Vorfeld angemeldeten Demos und klandestin organisierten Spontis, zu erlangen. Auch wenn es einige positive Momente im Umfeld der Sponti gab, müssen wir unterm Strich feststellen, dass es uns an diesem Abend nicht gelungen ist, den offensiven und selbstbestimmten Ausdruck zu ermöglichen, den wir als Orga-Kreis angestrebt haben. Dennoch wollen wir das Konzept nicht nach der ersten, überwiegend negativen Erfahrung einstampfen, sondern aus den Fehlern lernen und bestenfalls einen Diskurs mit euch allen darüber führen, wie das Konzept weiter entwickelt werden kann. Für die kommenden TagXSpontis streben wir ein jeweils angepasstes Konzept an. Es ist wichtig zu bedenken, dass sowohl für die Meuterei als auch für die Liebig 34 eine kalte Räumung durchaus stattfinden kann. Hier wären die Bedingungen anders als beim Syndikat – wir hätten wenig Zeit zur Vorbereitung, aber die Cops hätten auch wenig Zeit, da kalte Räumungen teils nur mit privaten Sicherheitskräften stattfinden.

In die Überlegungen zur Sponti fließen viele Faktoren mit ein, zu denen auch einge Faktoren gehören, welche wir nicht vorhersehen können: wie viele Leute kommen? Wie gut organisert sind die Menschen, die kommen? Sind die Menschen vorbereitet auf eine Konfrontation oder möchten sie diese tunlichst vermeiden? Ist es Menschen wichtiger zu laufen, oder eine Null-Verhandlungs-Politik mit den Cops zu fahren?

Wir werden die Tag X Spontandemonstration weiterhin am Tag X (ggf. +1) um 21 Uhr stattfinden lassen. Wir werden die Sponti weiterhin öffentlich bewerben und auch den Startpunkt öffentlich machen. Wir werden uns vorbehalten, die Spontandemonstration vor Ort anzumelden. 

Wir wollen nicht, dass Menschen sich nicht trauen zu kommen bzw. sich verheizt vorkommen, indem wir sie unreflektiert zur nächsten Konfrontation mit den Cops einladen. Unser Ziel ist es, an einem Tag, an dem die Cops unsere Freund*innen aus ihren Räumen prügeln, uns die Straße zu nehmen und auf verschiedene Art und Weise offensiv zu sein. Jedoch bemisst sich diese Offensivität unserer Meinung nach nicht allein daran, ob eine Demonstration angemeldet ist oder nicht. Wir wollen einen kollektiv positiven Moment schaffen und uns in unserer Offensivität wohl fühlen bzw. daran arbeiten das zu erreichen. Wir denken, dass es eine hohe Erwartung an uns alle ist, dass der erste Schritt auf der Straße ist, sich gegen die Cops durchzusetzten um protestieren zu können. Wir wollen diese Taktik nicht ohne weitere Absprachen in Vollversammlungen forsetzten. 

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01.08.2020 „Raus aus der Defensive“-Demo: taktische Auswertung

© Oliver Feldhaus

Als Interkiezionale-Bündnis veröffentlichen wir mit diesem Text eine erste Auswertung der Demo am 01.08.2020. Diese beschränkt sich auf die Taktik einer offensiven Demokultur in Berlin. Dies bedeutet nicht, dass Taktik das einzige ist, woran sich der Erfolg einer Demo messen lässt, noch, dass allein offensive Demos unsere Strategie darstellen. Wir wollen die angeschnittenen Themen mit euch weiter reflektieren und diskutieren, um unsere Strategien weiterzuentwickeln und die Bewegung zu stärken.
Die Auswertung fand vor der Räumung des Syndikats statt und wird darauf nicht Bezug nehmen. Eine Auswertung der Geschehnisse nach dem 01.08. folgt in einem separaten Text in den kommenden Tagen.

Als Organisator*innen der »Raus aus der Defensive« Demo vom 01. 08.2020 sehen wir die Demo und die Spontandemonstration am Abend als einen Erfolg. Die Erwartungen waren hoch angesetzt mit einem offensiven Slogan. Wir haben gemeinsam das Motto umgesetzt, sind „raus aus der Defensive“ gekommen und haben einen kraftvollen, kollektiven Schritt gegen zukünftige Räumungsversuche unternommen. Wir hoffen, dass dieser Tag mobilisierend auf die kommenden Wochen, Demos und Aktionen wirkt.
Auch wenn in Berlin viele Menschen politisch aktiv sind, meinen wir, dass es an kollektiven widerständigen Momenten fehlt. Gemeinsam mit den offensiven Momenten der letzten Zeit haben wir am 01.08. mit dem Bild von einem passiven Berlin gebrochen: z.B. die Interkiezionale Demo am 02.11.2019, die etlichen Besetzungen, die George-Floyd-Sponti, die Sponti in Friedrichshain für die Liebig34 & Rigaer94 und nun diese Demo zeigen, dass wir kollektiv militant sein können. Momente, in denen wir unsere Kämpfe kollektivieren sind Momente, in denen wir tatsächlich gefährlich für den Staat und das Kapital werden. Es sind Momente wie die am 01.08., die uns zeigen, dass unsere Stärke darin liegt, gemeinsam zu kämpfen. Lasst uns daher aus unseren Fehlern lernen und uns von unserem Potential ermutigen.

Was ist passiert?
Am 01.08. fand unter dem Motto „Raus aus der Defensive“ eine Demonstration in Berlin-Neukölln in Solidarität mit bedrohten Projekten statt. Etwa 2500 Menschen sammelten sich am Startpunkt. Nach Redebeiträgen und der Ankündigung, sich im Falle der Auflösung um 23 Uhr im Prenzlauer Berg wiederzutreffen, startete die Demo zügig um 20:20 Uhr vom Herrfurthplatz. Von Beginn an hatte die Demo einen kraftvollen Charakter.
Die Demo formierte sich schnell. An der Ecke Weisestr-/ Herrfurthstr. gab es einen Bannerdrop und eine Pyroshow. Mit einem schnellen Rhythmus, lauten Parolen, Pyro und Rauchschwaden bewegte sich die Demo Richtung Hermannstraße. Trotz der sichtbaren Polizeipräsenz kreierte die Demo eine Atmosphäre von Solidarität und Entschlossenheit.
Links abbiegend auf die Mainzerstraße, wo die Cops das Jobcenter schützten, fand eine erste Konfrontation statt. Menschen ließen es sich nicht nehmen, das Gebäude und die Cops anzugehen. Menschen zündeten weiterhin Pyro und riefen Parolen, viele hatten Transpis und Schirme dabei, um die Demo vor Angriffen zu schützen.
An der Ecke Hermann-/Flughafenstr. wurde dann ein neuer Luxusbau mit Farbbeutel beschmissen.  Während der Frontblock die Flughafenstraße runter lief, griffen die Cops die Demomitte an. Größtenteils ungeschützt durch fehlende Seitentranspis ließ sich die Demo in zwei Teile teilen. Menschen drängten sich an die Seiten der Kreuzung und der zuvor kompakte Demozug löste sich auf. Einige Menschen verteidigten sich gegen die Angriffe der Cops und versuchten trotz Pfeffer die Demo Masse wieder zu strukturieren, Schutz mit Transpis und Schirmen aufrechtzuerhalten und ein Weiterlaufen zu ermöglichen, was ihnen nicht gelang. Die Cops trieben Menschen mehr und mehr in Richtung Hermannstraße und Columbiadamm. Während einige in Panik gerieten und weg rannten, nutzten andere das entstandene Chaos für weitere Aktionen. Da sich der größte Teil der Demo nun Richtung Columbiadamm bewegte, löste sich die Demo mehr und mehr auf.
Von dort lief die größte Masse in Richtung Schillerkiez. Während sich einige treiben ließen, versuchten andere, Barrikaden zu bauen, um sich die Straße zurück zu nehmen. Durch den Kiez laufend gelang die Masse zurück auf die Hermannstraße, wo das Büro der SPD mit Steinen attackiert wurde. Mit steigender Polizeipräsenz und einem Helikopter nun über Neukölln schwirrend löste sich die Masse auf und verschwand in den umliegenden Kiezen. Die Verabredung sich um 23 Uhr im Prenzlauer Berg zu treffen, rückte ohnehin immer näher.

Reflektion 
a) Demo-Struktur & -Orga
Wir müssen selbstkritisch zugeben, dass wir unser Vorhaben pünktlich loszugehen, im Vorhinein nicht kommmuniziert haben. Da wir es gewöhnt sind, dass Demos mit großer Verspätung losgehen, waren viele davon überrascht oder kamen zu spät. Generell halten wir es für sinnvoll, nicht zu spät los zu gehen, da langes Warten eine träge Stimmung erzeugen kann. 
Zudem gab es übliche Kommunikationsprobleme, da die Megaphone bei weitem nicht laut genug waren, um alle in der Demo zu erreichen. Nichtdestotrotz halten wir Megaphone für eine bessere Wahl als einen Lautsprecherwagen. Die Megaphone ermöglichen eine mobile Kommunikationsstruktur – eine Heransgehensweise die in anderen Kontexten (wie Ende Gelände) längst etabliert ist und die wir auch im städtischen Raum ausbauen sollten.

Bezüglich der Demogeschwindigkeit war es ein Problem, dass die Demo über die gesamte Route sehr schnell war. Einerseits ließ der schnelle Start den Cops keine Gelegenheit die Demo gut zu kontrollieren, andererseits hatten es Menschen schwer Schritt zu halten. Dies führte zu Lücken in die Demo mit der Konsequenz, dass Menschen weniger geschützt waren oder weniger Schutz bieten konnten als eine strukturierte Demo. Auch ließ das Tempo wenig Zeit für andere Sachen (Schluck Wasser trinken, Schuh zubinden, etc…).
Stattdessen hätte die Demo mit mehr Selbstsicherheit und weniger Hektik agieren können. Es wäre möglich gewesen im Schillerkiez langsam zu starten, Geschwindigkeit aufzunehmen (z.B. nach den ersten Angriffen) und auch langsamer zu werden wenn Lücken zu schließen sind. Es sollte nicht allein die Demorga sein, die das Tempo bestimmt indem durch Melder*innen auf der Demo und interner Struktur Lücken gemeldet werden. Auch beim Tempo kann, wie es aus anderen Kontexten und Ländern bekannt ist, auf Handzeichen zurückgegriffen werden, die alle kennen. So ist unser agieren anti-hierarchischer und Verantwortung mehr verteilt.

Zum ersten Ziel auf der Route wurde das JobCenter, welches am Anfang der Route liegt. So startete die Eskalation sehr früh. Im Nachhinein denken wir, dass es durch eine frühe Eskalation keine Möglichkeit gab, das Eskalationslevel langsam zu steigern was potentiell mehr Menschen hätte einbinden können. Es hätte von vorneherein eine andere Route angesetzt werden können.

Die Teile der Route hielten unterschiedlich viel Potential, um unsere inhaltliche Kritik an Orten der kapitalistischen und staatlichen Unterdrückung zu äußern. Unglücklicherweise liefen Menschen nach der Auflösung in Richtungen, die taktisch ungeeignet waren (Columbiadamm/ Schillerkiez). Während der Schillerkiez wie eine große Sackgasse aufgebaut ist, besteht er auch überwiegend aus Wohnhäusern. Auch der Columbiadamm ist eine lange gerade und leere Straße. Es ist durchaus möglich, dass die Cops bereits mit der Auflösung versuchten, die Masse davon abzuhalten, sich in bestimmte Richtungen zu bewegen. So oder so, gelang es der Struktur nicht, die Demo in Richtung der geplanten Route zu lenken. Hier braucht es vielleicht weiterführende Diskussion über das Out-of-Control Konzept, denn Out-of-Control sollte nicht heißen, planlos zu agieren.

Insgesamt wissen wir von 7 Festnahmen auf der Demo. Im Umfeld der Spontandemonstration in Prenzlauer Berg hörten wir von mindestens 12 Personenkontrollen und 3 Festnahmen. Alle Festgenommenen (von denen wir wissen) waren am nächsten Morgen wieder aus der Gesa. Schön ist, dass einige Festnahmen aufgrund des Kontrollverlusts der Polizei abgebrochen werden mussten oder nicht durchgeführt werden konnten. Für das Level an Eskalation gab es unserer Meinung nach wenige Festnahmen. Das verdeutlicht mal wieder, dass die Anzahl an Festnahmen häufig geringer ist auf offensiven Demos. Hier zeigt sich ein erster Kontrollverlust der Polizei.
Wir entschuldigen uns dafür, dass einige Menschen alleine waren als sie aus der GeSa kamen. Die Verantwortung für den fehlenden Gefangenen-Support liegt nicht beim EA Berlin, sondern bei uns, den Organisator*innen der Demo.

b) Allgemeine Demokultur
Durch unsere Reaktionen auf der Demo wurde deutlich, dass wir Angst vor den Cops verinnerlicht haben. Ein Beispiel ist, dass sich Menschen an der Ecke Flughafen/ Hermannstraße an die Seiten drängten obwohl zu Anfang nicht viele Cops da waren. Das hatte zur Folge, dass organisierte Reihen alleine da standen und Menschen die das Luxusloft angriffen ungeschützt auf der Kreuzung standen.  Wir hatten den Eindruck, dass viele Menschen panisch wurden und einige Menschen noch mehr Panik erzeugten in dem sie riefen, dass Menschen rennen sollten. Die meisten folgten dieser Dynamik und ließen sich von den Cops jagen. Wir können nicht bewerten, ob es in diesem Moment notwendig war zu rennen, aber wollen unsere allgemeine Angst vor Cops in Frage stellen. Wir meinen, dass die Bewegung sich mehr Selbstbewusstein im Umgang mit Cops aneignen muss, um sie zum Beispiel in organisierten Reihen zu blockieren und Angriffen wie denen am 01.08. nicht wehrlos ausgesetzt zu sein.
Die Cops haben sich weder schlau verhalten noch waren sie zu Beginn viele. Obwohl es Momente gab, in denen wir ihnen zahlenmäßig weit überlegen waren, ließen sich viele Menschen von Gerenne und wild umherfahrenden Wannen wegjagen. Hier könnten wir lernen,  Ruhe zu bewahren. Wir denken, dass es sinnvoll ist, als Einzelpersonen zu lernen, in Stressmomenten wie solchen einen Blick für das Ganze/ Andere und nicht allein für sich selbst zu haben. Wir sollten unser kollektives Handeln weiter trainieren (Aktionstrainings) da wir Demos als gute Möglichkeit sehen, unsere Wut gemeinsam auszurdücken.

c) Prenzlauer Berg Sponti (Plan B)
Während der Demo in Neuköllen wurde angesagt, dass wir uns um 23 Uhr im Prenzlauer Berg treffen, für den Fall, dass wir in Neukölln nicht so laufen können wie wir es wollen. Die Ortswahl war nicht zufällig. Der gewählte Kiez ist einer der meist gentrifizierten Gebiete Berlins und beherbergt viele Immobilienbüros, Luxubauten und überteuerte Geschäfte.
Die Sponti vom Kollwitzplatz zum Senefelderplatz hinterließ einige zerstörte Scheiben. Doch war die eingeschlagene Route nicht ideal. Auch hier war eine andere Route geplant. Aufgrund der Situation am Kollwitzplatz nach dem Auftauchen zweier Wannen und einer Zivikarre, versuchte sich jedoch die Masse aufzulösen bewegte sich kollektiv in eine ungeplante Richtung. Schlussendlich wurde aus diesem Auflösungsversuch der Start der Sponti. Am Senefelderplatz fuhren zwei weitere Wannen an und Bullen sprangen heraus was zur Auflösung führte.

Für die Zukunft möchten wir gerne an der Idee des Plan B weiterarbeiten, da wir selbstbestimmt protestieren wollen. Ein Plan B kann entweder als Drohung an die Cops wirken um uns laufen zu lassen oder aber sicherstellen, dass es mindestens bei einem Plan B zu widerständigen kollektiven Momenten auf der Straße kommt.

Ein wichtiger Punkt in unserer bisherigen Reflektion war die unzureichende Kommunikation darüber wann und ob Plan B (die Sponti) stattfinden würde. Öffentliche Kommunikation in solch einer Situation ist generell kompliziert und bringt uns stets in die Zwickmühle zwischen großen Aktionen die nicht ausschließend sind und in denen wir gemeinsam stark sein können und der durch die Aufmerksamkeit erhöhten Polizeipräsenz. Uns ist es wichtig, Aktionen zu planen, die öffentlich angeworben werden können, damit mehr Menschen daran teilnehmen können und es einfacher ist zu Aktionen dazu zu stoßen, auch weil eins sich vorher schon mit der Gegend oder der Route vertraut machen kann. Gleichzeitig ist die erhöhte Coppräsenz durch öffentliche Mobilisierung eine Hürde. Das Konzept, dass am 01.08. gefahren wurde, sollte einen Mittelweg gehen in dem nur ein Stadtteil, aber nicht der genaue Treffpunkt, öffentlich kommuniziert wurde. Die Diskussion über die Mobilisierung zu spontanen, unangemeldeten Demos (Spontis) wird in unserer Auswertung zur Syndikat-Tag X- Sponti fortgeführt.

Auch mussten wir feststellen, dass Plan B offensichtlich nicht als Androhung wirkte, um die Cops davon abzuhalten uns anzugreifen und die Demo zu zerschlagen. Es war trotzdem wichtig, dass wir unserer Androhung einer späteren Sponti nachkamen. Falls wir an dem Bedrohungspotenzial festhalten wollen, sollten wir Androhungen in Zukunft früher, lauter und direkter an die Verantwortlichen gerichtet formulieren. 

Der letzte Punkt auf den wir eingehen wollen bezüglich Plan B ist, dass wir uns trotz Polizeipräsenz zu einer Sponti formierten und liefen. Wir denken, dass das ein wichtiger Schritt für uns war. Es ist schade, dass die Demoroute darunter litt, dass wir zu Anfang von den Cops weg liefen. Wir wollen Menschen natürlich die Angst vor Repression nicht absprechen, doch meinen wir im allgemeinen, dass wir in den richtigen Momenten keine Angst vor Cops haben müssen. Deswegen glauben wir, dass wir uns aktuell wirklich in die Offensive bewegen. Die Sponti war ein weiterer Schritt um Angst und Ohmacht hinter uns zu lassen. Wir wollen noch mehr kollektive Aktionen, mehr Selbstbewusstsein, mehr Missachtung und mehr Wut gegen das System im allgemeinen und die prügelwütigen Cops im speziellen. Wir freuen uns über einen Austausch zu einer Demokultur, in der sich unsere gemeinsame Stärke entfalten kann.

Vorschau
Mit der kraftvollen Demo sowie der wütenden Sponti als Reaktion sind wir auf einem guten Weg in die Offensive zu kommen. Wie wir bereits am Anfang sagten, sind die Punkte in diesem Text erste Ideen die wir gerne mit euch weiter diskutieren würden. Wir freuen uns über digitales Feedback aber wollen in der Zukunft auch andere Räume für Austausch schaffen. Wir wollen weiter an unserer Strategie feilen und uns an größeren Diskussionen bezüglich Organisierung von kraftvollen Demos und Demokultur beteiligen.

Die Demo war ein starkes Signal und wir wollen alle Räumungsversuche zu einem Desaster machen. Im Falle von Räumungen wollen wir mit Demos und Spontis den Preis in die Höhe treiben. Neben den Aktionen zu Tag X wird es in der Woche vom 7.-13. September eine feministische Aktionswoche geben, in der auch eine weitere Interkiezionale Demo stattfindet

Posted in General | Kommentare deaktiviert für 01.08.2020 „Raus aus der Defensive“-Demo: taktische Auswertung

Berlin: ACTIONWEEK FOR LIEBIG34 – 07.09. – 13.09.20

Liebig 34 is being threatend by eviction. When state, cops and the owner want to evict, they will only have a desaster on their hands.
As an anarcha-queer-feminist selforganized house-project without cis-men, directly at the square „Dorfplatz“ in Friedrichshain, Liebig 34 is a place where resistive actions and collective moments are decided and organized. A place where self-organization becomes a dangerous word, where a project is becoming a starting point of struggles and not just a space of self-reference and alternative entertainment. The project itself has taken part in the planning of many of demonstrations, published numerous calls and texts and carried out various radical actions. But it is also a symbol of radicalization and empowerment for the antagonistic scene in Berlin and in Germany, as it shows how to fight various forms of resistance.
Liebig34 consists of a collective which is working with a focus to overcome more and more internalized structures of capitalism and patriarchy. In a world where patriarchy makes up one of the main pillars of the capitalist system, militant feminist groups and collectives, which make clear that the resistance and the fighting back is not a cis-men privilege, are more than necessary. In a patriarchal world, in which patriarchy and capitalism are intervoven, it is more than necessary to actually fight patrairchy and not have it be a sidenote in a text. Let us not be divided by oppression and let’s fight together in this for a liberated society.

Join the fight and defend Liebig34!

Feminist action week 07-13.09.20

More information coming as soon as possible. check: https://defendliebig34.noblogs.org/

Autonomous Groups for Liebig34

see: https://www.youtube.com/watch?v=1YeFDF7vews

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Soli-Foto von Freund*innen

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+++ Syndikat Tag X Sponti: Richardplatz 21 Uhr! +++

Wir rufen heute zu einer kraftvollen Sponti in Solidarität mit dem Syndikat auf, welches heute morgen geräumt wurde!

Wir starten pünktlich um 21 Uhr am Richardplatz. Achtet auf Geräusche & Licht als Startsignal. Kommt vorbereitet: Maske & Handschuhe um euch und andere zu schützen. Transpis, Schirme und mehr ist immer gut. Der EA ist erreichbar unter: 030/6922222 bis spät in die Nacht/morgen früh, Gesa-Support ist gestellt.

Sollten wir nicht laufen können, werdet andersweitig mit euren Gruppen aktiv.

Nehmen wir uns die Straße, für das Syndikat & alle anderen räumungsbedrohten Projekte. Gegen die Stadt der Reichen!

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+++EIL +++ Cops verbieten Lange Nacht der Weisestraße

Straße vor dem Syndikat soll ab morgen Mittag zur abgesperrten Polizeizone werden +++ Nachdem die Versammlungsbehörde mehrere Tage nicht erreichbar war, wissen wir nun was die Strategie der Cops ist.

Die angemeldete Kundgebung zur „Langen Nacht der Weisestraße“, direkt vor dem Syndikat, soll nah an die Kreuzung Selchower- / Weisestraße verlegt werden. Angekündigt wurde eine totale Absperrung der Straße ab morgen Mittag. (!!)

Das werden wir so nicht hinnehmen. Sobald wir den schriftlichen Auflagenbescheid haben, werden wir dagegen in einem Eilverfahren klagen. Verbreitet die Info & haltet euch auf dem Laufenden.

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PM: Erfolgreiche Demo trotz Polizeigewalt

In der ersten Auswertung der Demo vom 01.08. haben wir die Demo grundsätzlich als erfolgreich empfunden. Anbei eine erste Pressemitteilung. Ein Text mit einer ersten kürzeren Auswertung folgt in den kommenden Tagen.

Pressemitteilung der Interkiezionalen
Berlin, 3. August 2020

Am Samstag, den 01.08., fand unter dem Motto „Raus aus der Defensive“ eine wütende und kraftvolle Demonstration statt. Die Demonstration richtete sich gegen die angekündigten Räumungen linker Projekte, wie die des Syndikats, der Meuterei, der Potse und der Liebig34. Sie wollte zudem ein Zeichen gegen den Rechtsruck und den immer autoritärer werdenden Staat setzen [1]. Der Demozug von 3.000 Menschen (Zählung 20:18) wurde nach einem Viertel der Demoroute von der Polizei attackiert und zerschlagen. Später zog eine wütende Spontan-Demonstration durch den Prenzlauer Berg die zeigte, dass die Polizei die Proteste nicht unterbinden konnte.

Das Interkiezionale-Bündnis aus bedrohten Projekten und Unterstützer*innen wertet die Demo als einen Erfolg. Getreu dem Motto „Raus aus der Defensive“ gelang es durch die aktive Teilnahme vieler soldarischer Menschen, der Demonstration einen widerständigen Ausdruck zu verleihen und sich durch die Angriffe der Polizei nicht die Straße nehmen zu lassen. Stattdessen machte die Demonstration auf Orte der Verdrängung aufmerksam und brachte ihre Wut gegen die alltägliche strukturelle Gewalt durch Polizei und Kapital auf die Straße. Orte wie das Jobcenter, das SPD-Büro oder der Luxusneubau an der Flughafenstraße wurden markiert.

Die Räume für die am Samstag protestiert wurde, sind auch Räume antifaschistischen Widerstands [2].  Die Verteidigung dieser Räume geht einher mit dem Kampf gegen rechte Hetze und Ideologie, wie sie am Samstag Vormittag von Faschist*innen und Verschwörungsideolog*innnen verbreitet wurden. Dazu Robyn Schmiz: „Wir haben uns am Samstag als Antifaschist*innen zu sehr auf unsere Demonstration konzentriert, und dadurch den Gegenprotest gegen die rechten Versammlungen am Vormittag wahrscheinlich geschwächt. Die brutale Auflösung unserer Demonstration, im Gegensatz zu der Behandlung der Faschist*innen mit Samthandschuhen, verdeutlicht hingegen mal wieder die politische Motivation der Polizei“.

Für das Interkiezionale-Bündnis ist die Demo nur ein Teil der Offensive, um die angedrohten Räumungen  zu verhindern. So wird bereits am Donnerstag wieder zu Protesten gegen die angekündigte Räumung des Syndikats aufgerufen [3]. Im Rahmen dieser Offensive wird es auch eine kraftvolle Aktionswoche vom 7.-13. September geben. Das Bündnis ist entschlossen, die bedrohten Projekte mit allen nötigen Mitteln zu verteidigen.

[1] Aufruf zur Demonstration https://interkiezionale.noblogs.org/demo-01-08/
[2] Antifaschistischer Aufruf zur Verteidigung bedrohter Projekte:  https://antifa-berlin.info/news/1649-alerta-antifascista-aufruf-zur-verteidigung-linker-freirume
[3] Aufruf zu Tag X: https://interkiezionale.noblogs.org/tag-x/

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1. August in Berlin: No Pasaran – Nazis angreifen! Freiräume erkämpfen!

Für den 1. August mobilisieren „Querdenken 711“ und die „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ (a.k.a. „nicht ohne uns“) bundesweit für einen „Tag der Freiheit“ und das „Ende von Corona“ in das Berliner Regierungsviertel.

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Schlafplatz-Orga für den 1. August

Es wird für das Wochenende rund um die „Raus aus der Defensive!“-Demo eine Schlafplatz-Börse für Anreisende von außerhalb geben. Braucht ihr Schlafplätze, oder könnt welche in eurem Projekt / eurer Wohnung anbieten, schreibt an:

Mail: interkiezkissen [at] riseup [punkt] net (Eckige Klammern durch die Zeichen ersetzen & ohne Leerzeichen)

Wir organisieren für das Wochenende vom  31.07-02.08 für die Interkiezionale Demo „Raus aus der Defensive!“  und eventuell auch schon für den ersten Räumungsversuch vom Syndikat, Schlafplätze für Menschen, die von anderen Orten anreisen. Momentan sind wir aktiv auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten für diese Zeiträume.  Seid ihr auf der Suche, kennt Menschen, die es sind oder habt selbst Schlafplätze in eurem Hausprojekt oder auch in euren Privatwohnungen anzubieten ? Dann meldet euch sehr gerne bei uns  und leitet diesen Aufruf an Freund*innen weiter. Schreibt uns bitte: – ob ihr sucht oder bietet – wie viele Plätze ihr braucht bzw. zur Verfügung habt – für welchen Zeitraum ihr sucht oder bietet – für wie viele Nächte ihr sucht oder bietet – den Kontakt von mindestens einer Person als Ansprechpartner*in Wir freuen uns auf eure Nachrichten! Solidarische und kämpferische Grüße, eure Interkiezionale Schlafplatzorga

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Interkiezionale Infoveranstaltung am 29. Juli

Die Interkiezionale lädt ein zum Austausch.

Seit der letzten Vollversammlung am 1. Juli ist einiges geschehen…

Wut: Der Einspruch der Liebig 34 gegen das Versäumnisurteil wurde abgelehnt. Das anarcha-queerfeministische Hausprojekt kann nun jederzeit legal geräumt werden. Bullen, Secus und eine Lusche haben die Bewohner*innen der Rigaer 94 und all jene, die ihnen zur Seite standen, terrorisiert und kriminalisiert. Der Räumungstermin des Syndikats rückt immer näher.

Mut: Solidarische Botschaften aus dem In- und Ausland erreichen unsere Projekte, nächtliche Aktionen gegen die Stadt der Reichen haben stattgefunden, eine Demonstration für einen „wütenden Räumungsauftakt“ wird am 1.8. durch Neukölln laufen.

Über das Geschehene und Kommende wollen wir uns mit euch austauschen. Außerdem gibt es Aktionskarten und Tipps für den 1. August.

Themen:

  • Updates der Projekte
  • Wichtige Infos zur Demonstration „Raus aus der Defensive!“
  • Tag X
  • Demonstration und Aktionswoche im September
  • Diskussion

ab ca. 20:00 Uhr „Food Not Bombs Vokü“.

Kommt zahlreich und maskiert!
Hoch die interkiezionale Solidarität! Wir bleiben Alle!

Mittwoch 29.07.2020 // 19 Uhr // @ Köpi-Hof (Köpenicker Straße 137)

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