Andreas Geisel – Kundgebung/Manifestation on 12.05. 15:00 Willy-Brandt-Haus

Andreas Geisel – Innensenator der Verdrängungspolitik! (ENGLISH BELOW)

Kundgebung 12.05 15:00 Willy-Brandt-Haus

Andreas Geisel: Ein Mann der damit prahlt 2.260 neue Bullen eingestellt zu haben,  mit 12.000 neuen Knarren für die Bullen angibt, während er von „soviel Freiheit wie möglich, soviel Sicherheit wie notwendig“ redet. Ein Mann der politisch verantwortlich ist für die gewaltsamen Räumungen von Liebig 34, Syndikat, Meuterei, Habersaathstr, Dragoner und des Camps an der Rummelsburger Bucht. Am 19.5. soll auch die Potse geräumt werden unter seiner Federführung und er bedroht weiterhin die Rigaer 94, den Köpi Wagenplatz und viele andere Projekte.

Geisel betrachtet die Nazis bei der Berliner Polizei als Einzelfälle nicht als strukturelles Problem und ermutigt vermeintliche Minderheiten zur Polizei zu gehen umd den Polizei Apparat nicht mehr so rassistisch wirken zu lassen. An der grundsätzlich problematischen Struktur rund um den Corpsgeist der Bullen verändert er nichts. Während Neonazis und rechte Corona-Leugner_Innen immer mehr werden, liegt seine Agenda in der Kriminalisierung der Menschen, um den Görlitzer Park und der Zerschlagung linker Kultur in dieser Stadt.

Die ganze heuchlerische Fassade der Sozialdemokratie, des Rot-Rot-Grünen Senates und eigentlich gleich des gesamten neoliberalen Kapitalismus findet sich in Person in Andreas Geisel wieder.  Quoten und vermeintliche Diversität werden in einer kapitalistischen Logik Verwertet. Hier werden strukturelle Ausbeutung sowie Rückständigkeit  pinkgewaschen und mittels Aneignung der Ästhetik und Sprache der Unterdrückten als emanzipiert dargestellt werden. Werden Antifiaschist_innen, die sich jeden Tag gegen rechts engagieren kriminalisiert und geräumt.

Was bedeutet Sicherheit, wenn mitten in einer Pandemie Menschen gewaltsam ihr Zuhause verlieren und nach Afghanistan abgeschoben werden? Jeder Bulle ist einer zuviel, jede rassistische Verhaftung  eine zuviel, jede Räumung eine zuviel. Während Geisel dem Ende seiner Amtszeit entgegen sieht wollen wir dafür sorgen, daß er die Verachtung dieser Stadt spürt und ihm klarmachen, daß unsere Solidarität und gegenseitige Hilfe nicht so schnell verschwinden wie er.

Gegen die Stadt der Reichen, gegen die SPD, den Senat und das ganze politische System, gegen Staat und Kapitalismus.

Selbstorganisation statt Fremdbestimmung.

Freiräume statt  Yuppiewohnungen.

Solidarität und gegenseitige Hilfe für eine Stadt von unten.

 

 

Andreas Geisel-Interior Senator of the Displacement Policy!

Kundgebung 12.05 15:00 Willy-Brandt-Haus

Andreas Geisel: A man who boasts of creating positions for 2,260 new cops in the city, brags of arming said police force with 12,000 new pistols yet maintains he stands for „as much freedom as possible, as much security as necessary.“ A man who oversees the evictions of Liebig 34, Syndikat, Meuterei, Habersaathstr., Dragoner and Rummelsburger Bucht, on May the 19th Potse, and the increased threat to Rigaer 94, Koepi Wagenplatz and numerous other projects, yet maintains the importance of freiraume. Who criticizes fascism in the police force using the tired liberal ‚rogue‘ narrative, encourages perceived minorities to become cops and refers to a potential immigrant workforce as an untapped „treasure trove“. A man who looks away while the far right’s corona conspiracy theorists and neo-nazis gain momentum, while at the same time taking a seemingly personal interest in the demonization of the communities around Goerlitzer Park and the attempted elimination of the city’s radical counterculture.

This is the insidious hypocrisy of social democracy, of the Red Red Green Senate, and of neoliberal capitalism on the whole- embodied in one man. Where liberal quotas and diversity are weaponized, used as tools to further capital or to disguise its racist agenda, or where limited individual freedoms are used to disguise our collective oppression. Where structural exploitation and bigotry can be whitewashed, pinkwashed or brushed under the carpet while appropriating the aesthetics and language of those it oppresses.

What is really meant by security when it involves evicting people from their homes in the middle of a pandemic or threatening them with deportation? Whether he deems one cop or a city full of them to be necessary, one cop is one too many; one racist arrest one too many; one eviction one too many. Attempting to gain more rightwing votes for the SPD in the upcoming elections, as he prepares to finish his term as Innensenator lets ensure Andreas Geisel’s political legacy is of a city that despises him and the politics he represents and where solidarity and mutual-aid are ideas not destroyed so easily. Against the city of the rich, against the SPD, the Senate, the state and the capitalist system.

Self-organization over every authority.

Freiraume not yuppie flats.

Solidarity and mutual-aid for a city from below.

 

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Aufruf zum revolutionären 1. Mai in Berlin Interkiezionale Block // Call for the revolutionary 1st of May Demo in Berlin Interkiezionale Block

picture inviting people to participate in interkiezionale block on the 1st of may demo in berlin—english below—

Auch wir als Interkiezionale-Bündnis nehmen an der revolutionären 1. Mai Demo teil und stellen unseren eigenen Block. Es freut uns, dass die diesjährige Demo einen so internationalistischen Charakter hat und der Frontblock von migrantischen Bündnissen gestellt wird. Es gibt uns Hoffnung, dass wir es schaffen uns in einem revolutionären Kampf für eine befreite Gesellschaft zu verbünden, unsere eigenen Strategien und Routinen zu hinterfragen, vielleicht zu durchbrechen und gemeinsam (neue) Wege zu gehen.

Revolutionär heißt, dass wir Strukturen an ihrer Wurzel verändern, herausreißen müssen, und uns Reformen nichts bringen. Liberaler Antirassismus und Feminismus sind kontraproduktiv. „Das einzige wirksame Mittel gegen Ausbeutung und Unterdrückung ist Klassenkampf“, so schreibt Migrantifa in ihrem Aufruf. Das heißt wir müssen lernen als Kompliz*innen den Kapitalismus und seine giftigen Auswüchse anzugreifen. International erheben sich Menschen gegen Ausbeutung und Unterdrückung und historisch war und ist der 1. Mai ein Tag des Kampfes. Wir wollen uns von unseren mutigen Gefährt*innen weltweit inspirieren lassen und auch hier unsere Wut auf die bestehenden Verhältnisse auf die Straße bringen und unserer Hoffnung auf ein besseres Morgen Ausdruck verleihen.

Die Stadtpolitik ist auf Kapitalinteressen ausgerichtet und vertreibt die Menschen, die sie leben. Räume wie die Liebig34, das Syndikat und die Meuterei haben sie uns bereits genommen. Die Potse soll am 19.05. um 8 Uhr geräumt werden. Diese Stadt ist umkämpft, wir wollen zeigen, dass wir sie nicht einfach so aufgeben werden!

Am 1. Mai wollen wir solidarisch und kämpferisch durch Berlin ziehen. Für eine Stadt von unten, in der Menschen ihre eigenen Leben gestalten und ihre Kieze organisieren können. Für eine solidarische Gesellschaft, frei von Unterdrückung und Ausbeutung.

Also, alle heraus zum revolutionären 1. Mai! Rein in den Interkiezionale Block!

PS: Ihr findet uns hinter dem Klassenkampf Block.
Bringt gerne noch Seitentranspis mit!

 

***english***

 We as Interkiezionale alliance also take part in the revolutionary May 1st demo and create our own block. We are happy that this year’s demo has such an internationalist character and that the front block is provided by migrant alliances. It gives us hope that we manage to unite in a revolutionary struggle for a liberated society, to question our own strategies and routines, maybe to break through them and to go (new) ways together.

„Revolutionary“ means that we have to change structures at their root, tear them out, and that reforms bring us nothing. Liberal anti-racism and feminism are counterproductive. „The only effective means against exploitation and oppression is class struggle,“ Migrantifa writes in its appeal. That means we must learn to attack capitalism and its toxic excesses as accomplices. Internationally, people rise up against exploitation and oppression and historically, first of May was and is a day of struggle. We want to be inspired by our courageous companions worldwide and also here bring our anger against the existing conditions to the streets and express our hope for a better tomorrow.

Urban politics are geared towards capital interests and drive out the people who live them. Spaces like the Liebig34, the Syndikat and the Meuterei have already been taken from us. The Potse is scheduled to be evicted at 8 a.m. on May 19! This city is fought over, we want to show that we will not give it up just like that!

On May 1st, we want to march through Berlin solidaly but fierce. For a city from below, where people can shape their own lives and organize their neighborhoods. For a solidary society, free from oppression and exploitation.

So, everybody out for the revolutionary 1st of May! Get into the Interkiezionale Block!

PS: You will find us after the class struggle block.
Feel free to bring side transpis!

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Wir sind unregierbar!

 

Nach einem Jahr der Pandemie hat der rot-rot-grüne Senat ab Freitag eine Ausgangssperre von 21.00 Uhr bis 05.00 Uhr verhängt. Angebliches Ziel ist es, Coronainfektionen einzudämmen. Zeitgleich soll der normale Wahnsinn tagsüber einfach weitergehen. Büros, Fabriken und Gerichte bleiben nämlich offen!

Eine Woche nach der Räumung der Meuterei und knapp ein halbes Jahr nach der Räumung der Liebig34 zeigt der Senat erneut, wer mit Wahlkampfsprüchen wie “… und die Stadt gehört euch!“ gemeint war: Nämlich die Kapitalisten! Egal ob Wohnungsspekulant oder Fabrikbesitzer, der “linke” (lol) Senat versucht es denen immer Recht zu machen! Statt wegen der Pandemie Räumungen auszusetzen und Büros zu schließen, um die Menschen und ihre Gesundheit zu schützen, nimmt man ihnen Wohnungen, Räume zum Ausspannen und Spaß haben und ihre Freizeit. Unsere Stadt wird durch die Ausgangssperre und Räumungen immer mehr zu einen Ort, der nur noch der Verwahrung von menschlichen Ressourcen dient!

Stellen wir uns heute dieser Politik entgegen! Wir rufen deshalb dazu auf:

Trefft euch mit Abstand auf den Straßen, Plätzen, Brücken und in Parks! Besetzen wir die Stadt! Zeigt euch solidarisch mit allen Menschen, die die Bullen wegen der Ausgangsperre drangsalieren!

Lasst uns die Straßen gemeinsam zurückerobern, für Liebig34 am 9. April um 16.00 Uhr und am 10. April um 12:00 Uhr auf dem Dorfplatz!

Who’s streets? Our streets!

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We are ungovernable!

After one year of pandemic, the red-red-green Senate has imposed a curfew from 21.00 – 05.00 from Friday. Alleged goal is to lower the Corona infections rate. At the same time, the normal madness should just go on during the day. Offices, factories, and courts remain open!

One week after the eviction of the Meuterei and scarcely half a year after the eviction of the Liebig 34, the Senate shows again who was meant with election campaign slogans, like „… and the city belongs to you!“: Namely the capitalists! No matter whether housing speculator or factory owner, the „left“ (lol) Senate always tried to make it right for them! Instead of suspending evictions and closing offices because of the pandemic to protect the people and their health, they take away apartments, rooms to relax and have fun, and their free time. Our city is becoming more and more a place that only serves to hold human resources, because of curfews and evictions!

Let us oppose this policy today! We therefore call for:

Meet with distance in the streets, squares, bridges and parks! Let’s occupy the city!! Show solidarity with all the people the cops are targeting and harassing because of the curfew!

Let’s take the streets together again, next weekend at Dorfplatz a manifestation for Liebig34 on Friday, April 9th at 4pm and on the 10th, a demonstration at 12pm! 6 months after eviction, 6 months of „stay at home“ orders, 6 months of rage!

Who’s streets? Our streets!

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Chaos für die Meute – DEMO | 25.03 | 19UHR

Wir als Interkiezionale Bündnis rufen alle solidarischen und freiheitsliebenden Menschen auf, am und um den 25. März gegen die Räumung der Kiezkneipe Meuterei die Stadt in Aufruhr zu bringen.

Das Kneipenkollektiv Meuterei schafft in der Reichenberger Straße seit 10 Jahren einen Raum für Austausch, Vernetzung und solidarisches Miteinander. Solche Orte werden zunehmend aus dieser Stadt verdrängt. Mit dem Syndikat und der Liebig34 mussten wir schmerzlich Abschied von zwei Freiräumen nehmen und nach dem Räumungsversuch der Meuterei folgen noch viele Angriffe auf linke Projekte.

Yuppieläden und Start-up Büros ziehen da ein, wo mal Orte waren, wo es nicht um Konsum, sondern vorrangig um sozialen Austausch und kollektive Organisierung ging. Die Gentrifizierung kriecht langsam in jede Ecke dieser Stadt, um auch aus dem letzten Loch noch Profit zu schlagen. Die Bullen sorgen dafür, dass auch jeder faulige Eigentümer seine Miete erhöhen und Wohnraum zu Ware verhökern kann. Dafür knüppeln sie uns aus unseren Läden und Häusern und unsere Genoss:innen von der Straße. Die Neoliberalisierung sorgt auch dafür, dass die Politik sich an Kapitalinteressen orientiert und offensichtlich aus und in die Ärsche von Investoren kriecht. Anstatt mit der Stadtbevölkerung zu diskutieren und auszuhandeln, schicken sie die Bullen, um nervige Rufe nach Gerechtigkeit und bezahlbaren Mieten wegzuprügeln.

Wenn die Bullen jeglichen politischen Kampf „regeln“ und uns alle Orte nehmen, bleibt uns nur die Straße als Ort des Widerstands. Diese wollen wir uns für die Meute nehmen und kompromisslos zeigen, wem diese Stadt gehört.

Wenn unser Protest im Keim erstickt werden soll, sollten wir aus dem Hinterhalt agieren. Wenn jede Demo von Bullen im Spalier begleitet wird, sollten wir Chaos stiften.

Wenn es kaum mehr Orte gibt, die wir verteidigen wollen und können, gibt es keinen Grund nicht die Orte anzugreifen, die uns tagtäglich verdrängen.

Organisiert euch in euren Bezugsgruppen und mir euren Projekten und kommt am 25. 03. ab 6 Uhr morgens in den Kiez. Aber nicht nur in Kreuzberg soll Protest sichtbar  werden, sondern ganz Berlin muss mitbekommen, was wir von Verdrängung und Räumungen halten!

 

Am Abend wird es eine kraftvolle Interkiezionale Tag X Demo geben.

DEMO | 25.03 | 19UHR

Stay tuned, get ready.

Der Kampf um die Stadt von unten ist noch nicht vorbei. 

Keine Beute mit der Meute. 

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Aufruf zur Wagenplatz Demo

Ein Haus braucht nicht immer vier Backsteinmauern, und Freiräume kommen manchmal auf Rädern. Als eine der offensichtlichsten Ablehnungen der Stadt gegen einen atomisierenden, entfremdenden Wohnungsmarkt sind die Wagenplätze ein Synonym für eine Lebensweise, die versucht, autonom und selbstbestimmt zu existieren und eine klare und sichtbare Antwort auf eine dominante Kultur des Eigentums als Status bietet, die ihre Tür der Gemeinschaft, Nachbarschaft und Solidarität verschließt.

Indem sie Ungenutztes Land und unerwünschte Strukturen zum Leben erwecken, zeigen die Wagenplätze eine Möglichkeit auf, die es außerhalb des Rahmens von Konsum und Abfall, Ware und Wert, ermöglicht neue Arten der Beziehung und des Kampfes zu entwickeln. Wenn sie versuchen die Stadt von „Zecken“ zu reinigen, von denen die gegen den Kapitalismus leben und kämpfen, mü​​​​​​​ssen sie auch mit Widerstand rechen​​​​​​​, so wie es Liebig 34, Syndicat, DieselA, SabotGarden und andere vertriebene Räume bereits gezeigt haben. Zusammen mit Immobilienspekulationen, zügelloser Gentrifizierung und dem Bau einer neuen Autobahn sind viele weitere Projekte gefährdet. Ob in unmittelbarer Gefahr oder nicht, eine Gefährdung für einen Wagenplatz ist eine Gefährdung für alle und eine Gefährdung für unsere Kommunities. Wir stehen zusammen: Köpi Wagenplatz, Scheffelstraße, Mollies, Laster & Hänger, Rummelplatz, Ratibor, Mollies, Convoi, Kreuzdorf, Lohmühle, Wagenu. Projektplatz Karpfenteich, -unterstrom +, Fips.

Am 20. Februar um 14 Uhr starten wir mit dem Fahrrad von der KøPI Richtung Scheffelstraße, wo wir uns um 15 Uhr dem LKW-Konvoi anschließen. Freiräume sind ein wesentlicher Bestandteil eines umfassenderen antiautoritären, antikapitalistischen Kampfes!

Stoppt die Stadt! Blockiert den Verkehr! Umkreist die Wagen!

Interkiezionale 15.02.21

https://stressfaktor.squat.net/node/208623

 

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Call for demo on 12.2 – Against the eviction in Rummelsburger Bucht

The last episode in the long series of gentrification and displacement in Berlin was played out in the early hours of last Saturday (6.2.). Around 00.30 different footmen of the state (cops, social workers, civil protection workers, securities) stormed the tent-camp in Rummelsburger Bucht and evicted its around 100 residents. In the middle of the night, under freezing temperatures and in the midst of a pandemic, the residents were given half an hour to pack their stuff and were forced to leave. Some were packed into BVG buses touring them in different areas of the city, and some were offered alternative accomodation – unclear for how long. The people were given time until Friday 12.2 to collect their belongings, as after this date the camp will be completely destroyed.

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Reflection text for the „United We Fight“ Discussion and Actions days on 30.10-01.11

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Demo-Aufruf für den 25. November

*english below*

Der 25. November ist der „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“. An diesem Tag wollen wir über Repression und Gentrifizierung aus Geschlechterperspektive nachdenken und laden zur Teilnahme an der Demo der Allianz Internationalistischer Feministinnen um 18.00 Uhr vor dem Auswärtigen Amt (Berlin) ein.

Der Staat als patriarchaler Mechanismus hat das Ziel, alle Aspekte unseres Lebens zu kontrollieren. Aus diesem Grund strebt er die Aufrechterhaltung und Reproduktion der etablierten gesellschaftlichen Ordnung an, indem er jede Art von radikalem Dissens außerhalb der heternormativen Parameter versucht zu unterdrücken. Um diese Aufgabe mit einem ausreichenden gesellschaftlichen Konsens zu erfüllen, wird ein Diskurs geschaffen, der die Unterdrückung gegen das, was als „unerwünschtes Verhalten“ gilt, befürwortet. Das Ergebnis ist die Entmenschlichung derjenigen, die Widerstand leisten, und die Legitimierung exzessiver Gewalt gegen unseren Körper. Wir sehen dies in der Einrichtung roter Zonen, der Kontrolle von Demonstrationen oder Versammlungen, dem Einsatz von Polizei oder Gesetzen wie §129, sowie in der Räumung der Liebig34, die von einer massiven Kampagne gegen diejenigen begleitet wurde, die dort unter Verwendung patriarchaler Stereotypen, Beleidigungen und Drohungen geräumt wurden. Wir sehen, wie ein queer-anarchistisch-feministisches Haus von Polizist*innen und Sicherheitsbeamt*innen in eine Projektion von Machogehabe verwandelt wird. Die Liebig34, das autonome Jugendzentrum Potse, die Kneipe Meuterei, der Køpi-Wagenplatz und die Rigaer94 sind Räume, die uns allen gehören sollten, da sie nicht nur Orte sind, an denen wir unsere politischen Positionen zum Ausdruck bringen können, sondern auch Orte, an denen wir leben und soziale Interaktionen schaffen. Und dennoch sind sie Orte, an denen wir auch weiterhin dafür kämpfen, frei von sexueller Gewalt und patriarchalischen Strukturen zu sein.

Durch diese Gesetzgebungen gegen unsere verschiedenen Lebens- und Widerstandsformen positioniert sich der Staat als Garant für Sicherheit, indem er Mechanismen einsetzt, die gemeinhin mit Männlichkeit assoziiert werden: Gewalt, Kontrolle, Aggression und Schutz des Privateigentums. Wir sehen dies auch in den patriarchalischen militarisierten Polizeistrukturen, die vor allem im öffentlichen Raum zur Durchsetzung der gesellschaftlichen Ordnung eingesetzt werden. Auch hier zeigt sich der patriarchalische Charakter des Staates. Durch den öffentlich-privaten Dualismus wird eine binäre Hierarchie geschaffen, die als „männlich-weiblich“ identifiziert wird: „Männlichkeit“ wird durch den Staat repräsentiert, der den öffentlichen Raum kontrolliert; und das „Weibliche“ wird durch Dissidenz repräsentiert, die in einen privat-unsichtbaren Raum verbannt werden muss. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland und einigen europäischen Ländern „bürgerliche“ Gesetze, die den öffentlichen Raum hierarchisch regeln, indem sie regeln, wie, wann und von wem er genutzt wird. Dieses Stadtmodell provoziert auch die Stigmatisierung und Vertreibung bestimmter Menschen und sozialer Gruppen. Diese Menschen sind diejenigen, die nicht in das Modell dessen passen, was für den Staat akzeptabel ist: die Armen, Sexarbeiterinnen, undokumentierte Migranten, die auf der Straße leben. Obwohl es in Berlin eine gewisse Toleranz gegenüber diesen Gemeinschaften gibt, findet sie immer in ganz konkreten, von schwerer Polizeigewalt regulierten Räumen statt, wie wir am Kottbuser Tor oder im Görlitzer Park sehen können.

Auf die staatliche patriarchalische Kontrolle folgt ein Gentrifizierungsprozess, der Menschen mit einem privilegierten Status aufnimmt. Während der private Profit durch die Konzentration deutscher und multinationaler Unternehmen, Investmentfonds und Banken steigt, werden gleichzeitig der nachbarschaftliche Handel, Bars, in denen wir unsere Netzwerke gegenseitiger Unterstützung artikulieren können, und Projekte, in denen wir ein subversives Leben führen können, beseitigt. Damit einher geht ein Verlust multipler städtischer Identitäten zugunsten standardisierter und aseptischer Räume, die nicht auf die Grundbedürfnisse der Bevölkerung eingehen, sondern Konsum und prekäre Beschäftigung fördern. Dieser ganze Prozess geht einher mit einer Verdrängung von Teilen der Bevölkerung aufgrund des Anstiegs der Mieten und der Vertreibungen. Die Auswirkungen dieses Wandels sind offensichtlich, nicht nur, weil es ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 20 % oder die Feminisierung der Armut gibt, die Frauen* direkt betrifft, sondern auch, weil diejenigen, die es schaffen zu bleiben, sehen, wie Nachbarschaften und Gemeinschaften ausgehöhlt werden, wodurch die täglichen Aktivitäten erschwert werden. Orte, an denen Vertrauensbeziehungen aufgebaut und verwaltet wurden, um sicherere Räume für Frauen zu schaffen, werden jetzt abgerissen, um Start-ups, Yuppies-Zentren, Luxusgebäude usw. zu errichten, wo alle Beziehungen in Anonymität und nicht in Vertrauen, gegenseitiger Hilfe und Solidarität aufgebaut werden. Und diejenigen, die gezwungen sind zu gehen, müssen sich nicht nur ein anderes Haus suchen; ein Umzug kann auch einen Wechsel der Schule und des Arztes und einen generellen Bruch mit Ihrem sozialen Netzwerk neben unzähligen anderen Folgen bedeuten. Diese Veränderungen wirken sich auf unsere Art und Weise der Sozialisierung und des Gehens auf der Straße aus, wo sich sexistische Gewalt manifestiert, und das schränkt unsere Nutzung des öffentlichen Raums ein. In Berlin werden pro Tag 2 Vergewaltigungen registriert. Folglich finden wir ein Stadtmodell vor, das dem Markt den Vorrang einräumt und die Fürsorge aufgibt.

Wir stehen Gemeinsam gegen jede Form von Unterdrückung. Weil Solidarität nicht ausreicht, lasst uns mehr Widerstand aufbauen. Lasst uns offensive Feminist*innen sein. Solidarität mit Lina, einer Antifaschistin die am 5. November in Leipzig verhaftet wurde!

*english*

November 25th is the „International Day for the Elimination of Gender-based Violence against Women“. On this day, we want to reflect on repression and gentrification from the perspective of gender, and invite people to participate in the demo from the Alliance of Internationalist Feminists at 18:00 in front of the Auswärtiges Amt (Berlin).

The State, as a patriarchal mechanism, has the objective of controlling all aspects of our lives. For this reason they aim to maintain and reproduce the established social order by repressing any kind of radical dissent outside of heternormative parameters. In order to carry out this task with a sufficient social consensus, a discourse is createdwhich endorses repression against what is considered „undesirable conduct“.The result is the dehumanization of those who resist, and legitimizion excessive violence against our bodies.We see this in the establishment of red zones, the control of demonstrations or gatherings, the use of police or laws such as §129,as well as in the eviction of Liebig34 which was accompanied by a massive campaign against those who were living there using patriarchal stereotypes, insults and threats. We see a queer-anarcha-feminist house being transformed into a projection of macho behaviour by cops and security guards.Liebig34, the autonomous youth centre Potse, the collective bar Meuterei, the Wagenplatz of Køpi and Rigaer94 are spaces which should belong to all of us, as not only are they places where we can express our political stances, they are places where we live and create social interactions. Nevertheless, places where we still are also fighting to be free of sexual violence and patriarchal structures.

Through these legislations against our different ways of living and resisting, the State positions itself as the guarantor of security, using mechanisms commonly associated with masculinity: force, control, aggressionand protection of private property. We also see this in the patriarchal militarized police structures that are used for the imposition ofsocial order, above all, in the public space. It is here, too, that the patriarchal nature of the State can be seen. Through public-private dualism, a binary hierarchy identified as “masculine-feminine” is created: “masculinity” is represented by the State, which controls the public space; and the “feminine” is represented by dissidence, which must be relegated to a private-invisible space. For this reason, in Germany and some European countries, „civic“ laws exist that regulate the public space in a hierarchical way by regulating how, when and by whomit is used. This model of city also provokes the stigmatization and expulsion of certain people and social groups. These people are those that do not fit into the model of what is acceptable to the state: the poor, sex workers, undocumented migrants, those living on the streets. Although in Berlin there is a certain tolerance towards these communities, it always takes place in very concrete spaces regulated by heavy police violence, as we can see in Kottbuser Tor or Görlitzer Park.

State patriarchal-control is followed by a gentrification process that welcomes people with a privileged status. While there is an increase in private profit through the concentration of German and multinational companies, investment funds and banks,at the same time neighborhood commerce, bars where we can articulate our networks of mutual support,and projects where we can livea subversive life are eliminated. With this, there is a loss of multiple urban identities in favor of standardized and aseptic spaces which do not respond to the fundamental needs of the population, but promote consumerism and precarious employment. This whole process is accompanied by a displacement of sections of the population due to the increase of rents and evictions. The gender implications of this transformation are evident, not only becausethere is a gender pay gap of 20%, orthe feminization of poverty that affects women* directly, but also because those who manage to stay see how neighborhoodsand communities are being eroded, making daily activities more difficult. Places were trust relationships were established and managed to create safer spaces for women are now getting demolished in order to build start ups, yuppies centers, luxury buildings etc where all relationships are build in anonymity and not in trust, mutualaid and solidarity. And those who areforced to leave not only have to look for another house;relocationcan also mean changing schools and doctors and a general break with your social network amongst myriad other consequences. Those changesaffect our ways of socializing and walking in the street, where sexist violence is  manifested, and this limits our use of the public space. In Berlin2 rapes are registered per day. Consequently, we find a model of city that prioritizes the market and abandons care.

Against any kind of oppression we stand together.Because solidarity is not enough, let’s build more resistance. Let’s be offensive feminists!

In solidarity with Lina, an antifascist arrested on the 5th of November in Leipzig!

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Interkiezionale Auswertung der Demo „Liebig34 Tag X“ am Abend des 9. Oktober

Diese Auswertung bezieht sich allein auf die Interkiezionale Demo am Abend der Räumung der Liebig34. Insgesamt bewerten wir die Demo als einen Erfolg. Jedoch gibt es sowohl Stellen an denen Sachen besser klappen könnten als auch Punkte die wir als Bündnis kritisch sehen. Einige Aspekte schließen an unsere bisherigen Auswertungen der „Raus aus der Defensive“-Demo vom 1. August (1) und der TagX-Sponti nach der Räumung des Syndikat am 7. August (2) an. Der Text ist wieder länger als gewollt, aber wir denken dass wir in diesen Zeiten in denen Präsenz-Treffen weniger werden, offene Vollversammlungen nur umständlich stattfinden können, wir mehr textlich miteinander kommunizieren müssen.

Stop-And-Go

Etwa 1.000 Menschen versammelten sich am 9. Oktober um den Startpunkt am Monbijouplatz in Berlin-Mitte. Das Bündnis hatte sich diesmal dazu entschieden die Demo anzumelden, um sich – anders als am 7. August, überhaupt sammeln und loslaufen zu können (dazu weiter unten mehr). Die überwiegende Masse an Menschen war schwarz gekleidet und vermummt. Die Cops machten hier keine Vorkontrollen, bewegten sich jedoch im Monbijoupark uniformiert und auch mit Zivilcops um dort größere Menschenansammlungen zu stören. Die Demo durfte erst loslaufen, sobald das Hygienekonzept ihnen passte. Also musste die Demo sich mit großem Abstand aufstellen, was die Unruhe unter vielen die ihre Wut zum Ausdruck bringen wollten, steigerte. Ein Lauti, lieferte beim Auftakt inhaltliche Beiträge, fuhr dann aber ab, als die Demo startete. Wir finden den Verzicht auf einen Lautsprecherwagen besser, weil dieser dann nicht die Demo zerpflügt und Ressourcen frisst. Für eine gute Kommunikation auf der Demo müssen wir aber noch bessere Lösungungen als ein paar Leute mit Megaphon finden. Gegen 21.35 Uhr setzte sich der Frontblock im Dauerregen in Bewegung.

Lückenhafte Kontrolle

Es dauerte keine 200 Meter, da hatten die Cops die Demo bereits gestoppt. Dieses Stop-and-Go setzte sich die ganze Demo hindurch fort. Ein  Grund war angeblich, dass die Cops nicht vorausschauend die Straßen sperrten. Auch die Demo immer wieder angehalten, weil daraus „Straftaten begangen“ wurden. Zusätzlich blieb der Frontblock einige Male stehen, damit sich Lücken in der Dmeo schließen konnten und weil es hieß, hintere Teile der Demo wären gekesselt.

Vor Erreichen der Volxbühne war die Demo auf bis zu 2.500 Teilnehmer*innen angewachsen. Die Stimmung war durchweg laut bis aggressiv. Die Polizeipräsenz konzentrierte sich überwiegend auf den vorderen und mittleren Teil der Demo. Es gab kein durchgehendes Spalier, jedoch gab es stellenweise 2-3 Polizeiketten nebeneinander.

Angriffe und Auflösungsversuch

Nach stimmungsvollem Einsatz von Pyrotechnik wurde in der Alten Schönhauser Straße der Frontblock mehrmals angegriffen. Hier kam es „nur“ zu Faustschlägen. Aus dem kämpferischen Block wurde erstmal niemand festgenommen, auch wenn Transpis zerrissen wurden.

Zu diesem Zeitpunkt war es schon zu Sachschaden aus und um die Demo herum gekommen. Zum Teil durch kleinere Gruppen im Umfeld der Demo, zum Teil aus der Demo heraus. Es entstand ein Szenario, was nicht nur für Cops sondern auch auf Demoteilnehmer*innen chaotisch wirkte. Die Cops nahmen dann eine strategische Pause. Die Demo stand gut 20 Minuten.  Es wurde überlegt, den Frontblock vom Rest der Demo abzutrennen oder aber die Demo aufzulösen. Beides war aber offensichtlich zu heikel, denn schon jetzt bewegten sich immer mehr Menschen aus der Demo raus und fluteten die Nebenstraßen, um dort als kleinere Spontis in unbekannte Richtungen weiterzuziehen. Zur Auflösung dieses Abstroms wurde entschieden die Demo weiterlaufen zu lassen.

Solidarischer Kiez und Abschluss

Auf der Höhe Weinmeisterstr. / Rosenthalerstr. verbreitete sich die FehlInfo, die Demo werde aufgelöst. Es dauerte eine Weile bis alle sich wider beruhigt und aufgestellt hatten. Ab da lief der Demozug ruhiger und fließender. An der Linienstraße206 gab es eine große Solidaritätsbekundung was nochmal Kraft gab. Am Rosenthaler Platz und auf der Kastanienallee solidarisierten sich immer wieder Menschen mit der Demo. Auch in der Kastanienallee gab es Beifall. Die K87 spielte „Ton, Steine, Scherben“ und das Tuntenhaus begrüßte die Demo mit Pyro und Musik. Nach gut drei Stunden erreichte die Demo die Ecke Kastanienallee/Ebserwalderstr., wo sie von der Orga aufeglöst wurde. Viele bekamen das nicht mit, oder blieben passiv am Abschlusspunkt stehen. Hier kam es zu den meisten Festnahmen.

Laut Polizei gab es insgesamt 37 Festnahmen. Einige Menschen wurden auf der Demo von der Polizei verletzt, oder während der Festnahmen auch nach der Demo. Mehrere Menschen mussten ins Krankenhaus. Das Auftreten der Polizei war an einigen Stellen sehr brutal, an anderen Stellen zeigte sich eine Überforderung, die in Passivität endete. Im Zusammenhang mit der Demo wurden bisher 94 Strafverfahren eingeleitet (66xSachbeschädigung, 10xLandfriedensbruch, 8xBrandstiftung, 5xWiderstand, 3xtätlicher Angriff) (3) .

Aber nun zu den strittigen Punkten:

Anmeldung der Demo:

Wir haben uns diesmal vorab entschieden die Demo anzumelden. Nach der Tag X Sponti für das Syndikat war unser Fazit, dass es einige Hürden mit sich bringt, eine Demo nicht anzumelden. Die Cops versuchten von vornherein die Demo am 7. August zu zerschlagen, einige Menschen kamen vielleicht auch gar nicht weil sie diese Konfrontation vermeiden wollten. Wir wollten diesmal unter  laufen und auch nicht frühzeitig abzubrechen. Unserer Meinung nach bot die Anmeldung uns den Schutz, dass die Cops nicht von vornherein versuchten die Demo zu zerschlagen und wir uns sammeln und laufen konnten. Die Ereignisse während der Demo verdeutlichen, dass wir unsere Stärke nicht daran bemessen müssen ob wir es schaffen eine unangemeldete Demo durchzusetzen. Eine konfrontative und kraftvolle Demo kann auch eine sein, die vom Versammlungsrecht geschützt ist.

(De)Mobilisierung: Hetze, Propaganda und zuviele Demonstrationen

Wir sind als Bündnis nicht unzufrieden mit einer Teilnehmer*innenzahl von 1.700-2.500 Menschen. Es war spät und Dauerregen. Viele Menschen waren bereits seit dem frühen Morgen wach wegen der Räumung der Liebig34. Der Großteil der Teilnehmer*innen war schwarz gekleidet und überwiegend vertraut mit einer kämpferischen Demokultur, die auf Anonymität und Ketten als Schutz setzt. Die Anzahl an Menschen, die eine solche Demokultur teilen wächst. Uns freut auch dass der Grad an Organisierung/Vorbereitung auf solche Demos ebenfalls steigt.

Doch geht es uns auch darum, über diesen Kreis hinaus Solidarität zu erhalten, unsere Kämpfe zu verbinden und mehr zu werden. Insgesamt blieb die Größe der Demo unter unseren Erwartungen zurück. Demos für die Rigaer94 oder Liebig14 vor fünf oder zehn Jahren schafften es noch über 5.000 Menschen zu mobilisieren.

Mehrere mögliche Gründe für eine geringere Beteiligung:

1) Die Hetzte in der Presse gegen die Liebig34 und ihr Umfeld wirkte demobilisierend auf das Umfeld, was bisher nicht eindeutig solidarisch war mit den Häusern. Dies lässt die Frage offen, ob wir an unserer Öffentlichkeitsarbeit etwas ändern sollten oder besser wer in unserem Sinne mediale Aufräumarbeit betreibt.

2) Wir haben schlichtweg zu wenig Mobi gemacht für die Demo und erreichten so nur den Kern der autonomen Bewegung und einige Schaulustige.

3) Der von einigen überstrapazierte Verbal-Radikalismus vermittelte Menschen wohlmöglich, dass sie eine bestimmte „militante Praxis“ haben müssten, um auf die Demo zu kommen. Die z.T. kreierten Bilder verengten den Aktionsradius so stark, dass Eigeninitiative auf niedrigem Niveau als unbrauchbar/unerwünscht erschien (mehr dazu weiter unten).

4) Wir können nicht erwarten, dass sich Gruppen & Initiativen uns einfach anschließen. Wenn wir andere erreichen wollen, müssen wir uns für sie und ihre Kämpfe Zeit nehmen. Nur so kann Solidarität untereinander entstehen. Dass sich viele politischen Akteure gegen den Wegfall der Liebig34 ausgesprochen haben, sehen wir als Erfolg. Das Problem war aber, dass viele von diesen solidarischen Gruppen keine Übersetzungs- und Überzeugungsarbeit in die eigenen Milieus leisten wollten, um diese auch zu der Demo zu lotsen.

5) Es gab in den Wochen davor eine unüberschaubare Zahl kurzfristig angekündigter Demos, die dem Ansinnen einer gemeinsamen Demo entgegen gewirkt haben könnten. Welcher Aktion schließt mensch sich an, an welcher wirkt mensch aktiv mit, worauf haben sich die unterschiedlichen Akteure gemeinsam geeinigt um Druck aufzubauen und zu halten? Wer dreimal pro Woche aufgerufen wird „den Arsch hoch zu kriegen“, ist irgendwann überfordert.

Pluspunkte für Atmosphäre, Dynamik & Demokultur

Die Stimmung auf der Demo war insgesamt sehr kraftvoll war. Wir waren beeidruckt davon, dass selbst nach drei Stunden Menschen noch Parolen riefen und über 1.000 Leute im Regen bis zum Ende dabei blieben. Menschen hatten (Schutz-)Schirme dabei, Transpis, Flyer und Pyro, waren dunkel gekleidet und liefen in Reihen. Durch die solide Blockstruktur konnten an einigen Stellen Festnahmen verhindert werden. Auch wurden Cops durch ein bloßes Stehenbleiben an einigen Stellen eingeschüchtert, sodass sie nicht einfach weiter in die Demo rannten.

An anderen Stellen rannten Menschen als ganze Ketten weg und die Polizei konnte trotz Ketten problemlos in die Demo eindringen. Das hatte auch mit den fehlenden Seitentranspis zu tun. Hier sollten wir nochmal über die Sinnhaftigkeit von geschützten Blöcken und Ketten reden. Der Schwarze Block ist nicht nur Ausdruck von Kampfbereitschaft und autonomer Folklore sondern historisch gewachsen um sich vor Polizeiübergriffen effektiv zu schützen und Möglichkeitsräume für die Demoteilnehmer*innen zu eröffnen. Ketten sind dafür da, die Demo zu stabilisieren, sich selbst und Andere in der Demo zu schützen und die Cops rauszuhalten. Dafür ist es oft sinnvoller, Ketten an der Seite der Demo zu machen, also hintereinander als Kette zu laufen um so die Demo seitlich zu schützen. Auch können wir aus anderen Ländern lernen, dass es sicherer ist sich am Hosenbund fetszuhalten anstatt einzuhaken an den Armen. Ketten sind hingegen nicht ganz so mobil wie das freie Fluten. Um die die ganze Straße schnell einzunehmen, Spaliere zu verdrängen und sich vor herbeisausenden Faustschlägen zu schützen sind sie nicht so geeignet. Es braucht also mehr Diskussion und mehr Demotrainings! Was aber klar sein sollte: Fahrräder haben auf so einer Demo nichts zu suchen. Sie behindern in entscheidenen Situation und bürgen für alle hohe Verletzungsgefahren wenn es eng und chaotisch wird.

Kommunikation in die Demo und darüber hinaus

Vier Megaphone entlang der Demo reichten nicht aus, um Informationen unter den Demoteilnehmer*innen zu vebreiten. Teilweise wussten Menschen nicht was los ist, oder es vebreiteten sich falsche Informationen. Was hingegen gut klappte ist, dass Informationen einfach still nach hinten über Ketten durchgegeben werden. Das setzt voraus, dass die Demo strukturiert läuft, weswegen dieser Informationsweg oft nach dem Frontblock abbrach. Auch hier wollen wir weiterhin von anderen Kontexten, wie zum Beispiel Ende Gelände lernen und mehr Menschen für unsere Demostruktur gewinnen um diese auszubauen.

Wir haben uns sehr über die Flyer gefreut, die einige am Rand der Demo an Passant*innen verteilten. Sie erklärten, warum die Demo stattfand und warum es Ausschreitungen gibt und weiter geben wird. Wir halten es als Bündnis für essenziell, Aussenstehende über unsere politisches Ziele und Gründe für eine solche Praxis zu informieren und freuen uns immer sehr, wenn Menschen Eigeninitaive ergreifen und für uns alle diese Aufgabe übernehmen.

Wie leider üblich wurden feministische Parolen, mit Außnahme vom Frontblock, von vielen Menschen auf der Demo nicht mitgerufen. Das ist vor allem schade, ging es doch um die Räumung der Liebig34. Wir sehen es als Ausdruck patriarchaler Einstellungen, dass diese Parolen nicht gerufen werden – ein Problem in den eigenen Reihen, dass es zu überwinden gilt.

Als Interkiezionale sind wir ledigich der Zusammenschluss der für die Projekte kämpft, sodass wir wenig eigene Öffentlichkeitsarbeit machen. Generell halten wir diese für wichtig, denken aber, dass es ausreicht wenn die Projekte für sich selbst Öffentlichkeitsarbeit machen und wir als Bündnis weiterhin nur eine informative & organisatorische Rolle spielen. Unser Pressestatement (4) wurde erst Sonntag veröffentlicht und nicht mehr von der Presse aufgenommen. Wie wichtig eigene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Verbreitung von Gegeninformationen und eigenen Narrativen ist, zeigt die unglaubliche Flut an Scheißmeldungen zur Liebig34 und die Räumung und die endlosen Live-Streams von rechten und konservativen (Massen-)Medien. Zwei oder drei gute Beiträge linker oder liberaler Medien (5), konnten daran wenig ändern.

Demoende und Repression

Es war uns wichtig, dass die Demo nicht wie bei der Demo zum Polizeikongress 2020 oder am 1. Mai 2019 einfach weiter läuft nachdem sich der Frontblock rauszieht. Gemessen daran haben wir es geschafft, die Demo an dem von uns gewählten Punkt zu beenden. Damit die Cops niemanden festnehmen können, müsste hier aber die ganze Demo schneller reagieren. Schnell reagieren um ein Einkesseln zu verhindern, ohne Personen ungeschützt stehen zu lassen. Dies hat nicht so gut geklappt wie es sollte: die Cops konnten zwar nicht kesseln, aber Fetsnahmen gab es trotzdem. Wir sehen hier selbstkritisch, dass wir vorher hätten kommunizieren sollen, was beim Ende der Demo wichtig ist.

Wir haben keinen Überblick, wie viele Menschen durch Polizeigewalt verletzt wurden. Einige Beispiele, wie die brutale Festnahme am Endpunkt, die auch durch die sozialen Medien ging, zeugen von der Brutalität der Cops. Gewalterfahrungen können schwere psychische Folgen haben und Traumata auslösen. Unterstützt euch gegenseitig, meldet euch mit euren Gedächtnisprotokollen bei uns. Das Verschweigen und Runterspielen von Polizeibrutalität schützt nur die Cops und ihre Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit.

Verbaler Radikalismus

Wir wollen einen kritischen Blick werfen auf das, was wir als „Verbalradikalismus“ verstehen. An vielen Stellen haben Einzelne oder auch Gruppen von einer Aktions-Praxis geredet, die wir als Bewegung so in Berlin nicht haben. Damit meinen wir zum Beispiel Phrasen wie „Machen wir die City platt“, „Berlin muss brennen“, „Padovicz in den Kofferraum“ oder dergleichen. Nicht nur ist es mackrig sich mit sowas zu brüsken, oder es anzudeuten, wenn wir es nicht einhalten. Verbalradikalismus schadet uns zudem an mehreren Stellen, wir wollen sie hier einmal aufzählen:

1) Setzen wir Erwartungen sehr hoch an „Wir machen die City platt & Berlin brennt“, so ist vorausgesetzt, dass wir als Bewegung weit hinter unseren Erwartungen zurück bleiben. Wir produzieren so ständige Misserfolge für uns selbst. Was wir brauchen um konstruktiv an uns selbt zu arbeiten sind realistische Einschätzungen was unsere Stärken und Schwächen betrifft. Das setzt voraus, dass Einzelpersonen eine realistische Einschätzung ihrer eigenen Praxis haben und sich nicht unter Druck gesetzt fühlen, vorzugeben, sie würden etwas machen was sie nicht tun oder sich auch gar nicht vorstellen können. Nur wenn wir eine Atmosphäre haben in der wir ehrlich miteinander sein können, können wir es schaffen, über Ängste zu reden und diese auch zu überwinden.

2) Verbalradikalismus wirkt abschreckend oder einschüchternd. Mit einem einseitigen Fokus auf bestimmte Praxen (Sachschaden/ Brandstiftung) setzen wir auch für andere die Erwartungshaltung sehr hoch an. Wir sollten Menschen in unserer Bewegung und solche die wir gerne für unsere politischen Ziele mobilisieren wollen nicht den Eindruck vermitteln, sie müssten Scheiben einhauen und Autos anstecken um sich auf unsere Demos zu trauen oder an unseren Versammlungen teilzunehmen. Militanz ist ein sehr weiter Begriff und viele unserer Aktionsformen sind weitaus kreativer als die Reduzierung auf Sachschaden. Der „Politische Preis“ einer Räumung lässt sich nicht in verbrannten Geldscheinen messen, sondern in Brüchen der Macht der Herrschenden, im kontinuierlichen Aufbau von Gegenmacht und in sich schärfenden Beziehungen zwischen Bezugsgruppen und politischen Spektren.

3) Ein feministischer Grundsatz ist es, alle politischen Praxen wertzuschätzen, denn sie alle sind wichtig für eine Bewegung – Moderation auf Plena und Kundgebungen, Aufrufe schreiben, Anti-Repressionsgelder sammeln, Plakatieren & Flyern, eine Reihe stellen auf einer Demo, Kochen für KüfAs, Menschen im Knast unterstützen, Bildunsgarbeit & Kindererziehung, Care-Arbeit nach Gewalterfahrungen usw.. Sich so einseitig immer wieder nur auf einige bestimmte Praxen zu beziehen, zeichnet ein falsches Bild davon, was wir alles machen und wovon wir auch mehr brauchen. Jede Aktionsform und politisches Mittel sollte immer als Teil eines Größeren gesehen werden. Demnach lässt sich die Sinnhaftigkeit einer bestimmten Aktionsform auch nicht im Einzelnen ermessen.

(1) https://interkiezionale.noblogs.org/post/2020/08/17/01-08-2020-raus-aus-der-defensive-demo-taktische-auswertung/

(2) https://interkiezionale.noblogs.org/post/2020/09/01/auswertung-der-syndikat-tag-x-sponti/

(3) https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/nach-der-krawall-demo-hat-die-polizei-94-strafverfahren-eingeleitet-li.111514

(4) https://interkiezionale.noblogs.org/post/2020/10/16/pressemitteilung-interkiezionale-tag-x-demonstration-am-9-oktober-war-ein-erfolg

(5) Radio: https://www.aradio-berlin.org/liebig34-live-berichte-zum-nachhoeren/

Fotos: https://umbruch-bildarchiv.org/liebig-34-geraeumt/

Video: https://www.youtube.com/watch?v=qbpWtMD6c88

International: https://www.pinknews.co.uk/2020/10/09/liebig34-eviction-police-anarchist-queer-feminist-squat-liebigstrasse-berlin/

erschienen auch auf Indymedia

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Interkiezionale-Versammlung: 25/10/2020 um 16 Uhr in der Köpi

Die Räumung der Liebig34 ist vorbei, und damit auch eine Ära. Wir wollen zusammen kommen und mit euch über die Räumung reden: wie geht es euch? Wie war für euch der Tag der Räumung? Habt ihr euch an den Tag X Aktionen beteiligt am Morgen und am Abend? Wenn ja, wie waren die für euch. Falls ihr nicht da wart, interessiert uns warum. Was können wir für die nächste Räumung lernen?
Außerdem gibt es Infos für das Diskussions- und Aktionswochenende „United We Fight“ vom 30.10.-1.11.

Sonntag, 25.Oktober um 16 Uhr im Innenhof der Köpi. Bitte tragt Masken & zieht euch warm an!

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