Demo-Aufruf für den 25. November

*english below*

Der 25. November ist der „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“. An diesem Tag wollen wir über Repression und Gentrifizierung aus Geschlechterperspektive nachdenken und laden zur Teilnahme an der Demo der Allianz Internationalistischer Feministinnen um 18.00 Uhr vor dem Auswärtigen Amt (Berlin) ein.

Der Staat als patriarchaler Mechanismus hat das Ziel, alle Aspekte unseres Lebens zu kontrollieren. Aus diesem Grund strebt er die Aufrechterhaltung und Reproduktion der etablierten gesellschaftlichen Ordnung an, indem er jede Art von radikalem Dissens außerhalb der heternormativen Parameter versucht zu unterdrücken. Um diese Aufgabe mit einem ausreichenden gesellschaftlichen Konsens zu erfüllen, wird ein Diskurs geschaffen, der die Unterdrückung gegen das, was als „unerwünschtes Verhalten“ gilt, befürwortet. Das Ergebnis ist die Entmenschlichung derjenigen, die Widerstand leisten, und die Legitimierung exzessiver Gewalt gegen unseren Körper. Wir sehen dies in der Einrichtung roter Zonen, der Kontrolle von Demonstrationen oder Versammlungen, dem Einsatz von Polizei oder Gesetzen wie §129, sowie in der Räumung der Liebig34, die von einer massiven Kampagne gegen diejenigen begleitet wurde, die dort unter Verwendung patriarchaler Stereotypen, Beleidigungen und Drohungen geräumt wurden. Wir sehen, wie ein queer-anarchistisch-feministisches Haus von Polizist*innen und Sicherheitsbeamt*innen in eine Projektion von Machogehabe verwandelt wird. Die Liebig34, das autonome Jugendzentrum Potse, die Kneipe Meuterei, der Køpi-Wagenplatz und die Rigaer94 sind Räume, die uns allen gehören sollten, da sie nicht nur Orte sind, an denen wir unsere politischen Positionen zum Ausdruck bringen können, sondern auch Orte, an denen wir leben und soziale Interaktionen schaffen. Und dennoch sind sie Orte, an denen wir auch weiterhin dafür kämpfen, frei von sexueller Gewalt und patriarchalischen Strukturen zu sein.

Durch diese Gesetzgebungen gegen unsere verschiedenen Lebens- und Widerstandsformen positioniert sich der Staat als Garant für Sicherheit, indem er Mechanismen einsetzt, die gemeinhin mit Männlichkeit assoziiert werden: Gewalt, Kontrolle, Aggression und Schutz des Privateigentums. Wir sehen dies auch in den patriarchalischen militarisierten Polizeistrukturen, die vor allem im öffentlichen Raum zur Durchsetzung der gesellschaftlichen Ordnung eingesetzt werden. Auch hier zeigt sich der patriarchalische Charakter des Staates. Durch den öffentlich-privaten Dualismus wird eine binäre Hierarchie geschaffen, die als „männlich-weiblich“ identifiziert wird: „Männlichkeit“ wird durch den Staat repräsentiert, der den öffentlichen Raum kontrolliert; und das „Weibliche“ wird durch Dissidenz repräsentiert, die in einen privat-unsichtbaren Raum verbannt werden muss. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland und einigen europäischen Ländern „bürgerliche“ Gesetze, die den öffentlichen Raum hierarchisch regeln, indem sie regeln, wie, wann und von wem er genutzt wird. Dieses Stadtmodell provoziert auch die Stigmatisierung und Vertreibung bestimmter Menschen und sozialer Gruppen. Diese Menschen sind diejenigen, die nicht in das Modell dessen passen, was für den Staat akzeptabel ist: die Armen, Sexarbeiterinnen, undokumentierte Migranten, die auf der Straße leben. Obwohl es in Berlin eine gewisse Toleranz gegenüber diesen Gemeinschaften gibt, findet sie immer in ganz konkreten, von schwerer Polizeigewalt regulierten Räumen statt, wie wir am Kottbuser Tor oder im Görlitzer Park sehen können.

Auf die staatliche patriarchalische Kontrolle folgt ein Gentrifizierungsprozess, der Menschen mit einem privilegierten Status aufnimmt. Während der private Profit durch die Konzentration deutscher und multinationaler Unternehmen, Investmentfonds und Banken steigt, werden gleichzeitig der nachbarschaftliche Handel, Bars, in denen wir unsere Netzwerke gegenseitiger Unterstützung artikulieren können, und Projekte, in denen wir ein subversives Leben führen können, beseitigt. Damit einher geht ein Verlust multipler städtischer Identitäten zugunsten standardisierter und aseptischer Räume, die nicht auf die Grundbedürfnisse der Bevölkerung eingehen, sondern Konsum und prekäre Beschäftigung fördern. Dieser ganze Prozess geht einher mit einer Verdrängung von Teilen der Bevölkerung aufgrund des Anstiegs der Mieten und der Vertreibungen. Die Auswirkungen dieses Wandels sind offensichtlich, nicht nur, weil es ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 20 % oder die Feminisierung der Armut gibt, die Frauen* direkt betrifft, sondern auch, weil diejenigen, die es schaffen zu bleiben, sehen, wie Nachbarschaften und Gemeinschaften ausgehöhlt werden, wodurch die täglichen Aktivitäten erschwert werden. Orte, an denen Vertrauensbeziehungen aufgebaut und verwaltet wurden, um sicherere Räume für Frauen zu schaffen, werden jetzt abgerissen, um Start-ups, Yuppies-Zentren, Luxusgebäude usw. zu errichten, wo alle Beziehungen in Anonymität und nicht in Vertrauen, gegenseitiger Hilfe und Solidarität aufgebaut werden. Und diejenigen, die gezwungen sind zu gehen, müssen sich nicht nur ein anderes Haus suchen; ein Umzug kann auch einen Wechsel der Schule und des Arztes und einen generellen Bruch mit Ihrem sozialen Netzwerk neben unzähligen anderen Folgen bedeuten. Diese Veränderungen wirken sich auf unsere Art und Weise der Sozialisierung und des Gehens auf der Straße aus, wo sich sexistische Gewalt manifestiert, und das schränkt unsere Nutzung des öffentlichen Raums ein. In Berlin werden pro Tag 2 Vergewaltigungen registriert. Folglich finden wir ein Stadtmodell vor, das dem Markt den Vorrang einräumt und die Fürsorge aufgibt.

Wir stehen Gemeinsam gegen jede Form von Unterdrückung. Weil Solidarität nicht ausreicht, lasst uns mehr Widerstand aufbauen. Lasst uns offensive Feminist*innen sein. Solidarität mit Lina, einer Antifaschistin die am 5. November in Leipzig verhaftet wurde!

*english*

November 25th is the „International Day for the Elimination of Gender-based Violence against Women“. On this day, we want to reflect on repression and gentrification from the perspective of gender, and invite people to participate in the demo from the Alliance of Internationalist Feminists at 18:00 in front of the Auswärtiges Amt (Berlin).

The State, as a patriarchal mechanism, has the objective of controlling all aspects of our lives. For this reason they aim to maintain and reproduce the established social order by repressing any kind of radical dissent outside of heternormative parameters. In order to carry out this task with a sufficient social consensus, a discourse is createdwhich endorses repression against what is considered „undesirable conduct“.The result is the dehumanization of those who resist, and legitimizion excessive violence against our bodies.We see this in the establishment of red zones, the control of demonstrations or gatherings, the use of police or laws such as §129,as well as in the eviction of Liebig34 which was accompanied by a massive campaign against those who were living there using patriarchal stereotypes, insults and threats. We see a queer-anarcha-feminist house being transformed into a projection of macho behaviour by cops and security guards.Liebig34, the autonomous youth centre Potse, the collective bar Meuterei, the Wagenplatz of Køpi and Rigaer94 are spaces which should belong to all of us, as not only are they places where we can express our political stances, they are places where we live and create social interactions. Nevertheless, places where we still are also fighting to be free of sexual violence and patriarchal structures.

Through these legislations against our different ways of living and resisting, the State positions itself as the guarantor of security, using mechanisms commonly associated with masculinity: force, control, aggressionand protection of private property. We also see this in the patriarchal militarized police structures that are used for the imposition ofsocial order, above all, in the public space. It is here, too, that the patriarchal nature of the State can be seen. Through public-private dualism, a binary hierarchy identified as “masculine-feminine” is created: “masculinity” is represented by the State, which controls the public space; and the “feminine” is represented by dissidence, which must be relegated to a private-invisible space. For this reason, in Germany and some European countries, „civic“ laws exist that regulate the public space in a hierarchical way by regulating how, when and by whomit is used. This model of city also provokes the stigmatization and expulsion of certain people and social groups. These people are those that do not fit into the model of what is acceptable to the state: the poor, sex workers, undocumented migrants, those living on the streets. Although in Berlin there is a certain tolerance towards these communities, it always takes place in very concrete spaces regulated by heavy police violence, as we can see in Kottbuser Tor or Görlitzer Park.

State patriarchal-control is followed by a gentrification process that welcomes people with a privileged status. While there is an increase in private profit through the concentration of German and multinational companies, investment funds and banks,at the same time neighborhood commerce, bars where we can articulate our networks of mutual support,and projects where we can livea subversive life are eliminated. With this, there is a loss of multiple urban identities in favor of standardized and aseptic spaces which do not respond to the fundamental needs of the population, but promote consumerism and precarious employment. This whole process is accompanied by a displacement of sections of the population due to the increase of rents and evictions. The gender implications of this transformation are evident, not only becausethere is a gender pay gap of 20%, orthe feminization of poverty that affects women* directly, but also because those who manage to stay see how neighborhoodsand communities are being eroded, making daily activities more difficult. Places were trust relationships were established and managed to create safer spaces for women are now getting demolished in order to build start ups, yuppies centers, luxury buildings etc where all relationships are build in anonymity and not in trust, mutualaid and solidarity. And those who areforced to leave not only have to look for another house;relocationcan also mean changing schools and doctors and a general break with your social network amongst myriad other consequences. Those changesaffect our ways of socializing and walking in the street, where sexist violence is  manifested, and this limits our use of the public space. In Berlin2 rapes are registered per day. Consequently, we find a model of city that prioritizes the market and abandons care.

Against any kind of oppression we stand together.Because solidarity is not enough, let’s build more resistance. Let’s be offensive feminists!

In solidarity with Lina, an antifascist arrested on the 5th of November in Leipzig!

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