An Freunde und Freund*innen der Meuterei

Veröffentlicht von der Meuterei am 29.05.2020 via https://de.indymedia.org/node/84948

Liebe Freunde und Freund*innen der Meuterei,

wie ihr ja vermutlich alle wisst, haben wir seit einem Jahr keinen Mietvertrag mehr und befinden uns deshalb im Kampf um den Erhalt der Meute. Was aber nur die allerwenigsten wissen ist, dass wir uns seit ca. 1,5 Jahren auch an einem anderen Problem abarbeiten. Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden bisher nichts darüber zu veröffentlichen oder das zum öffentlichen Thema zu machen. Leider ist die Situation nun soweit eskaliert, dass wir uns dazu gezwungen sehen, euch zu informieren.

Um was gehts nun aber genau? Dafür muss ein bisschen ausgeholt werden.

Die Meuterei wurde vor 11 Jahren von einer Gruppe von Leuten gegründet, die kollektiv zusammenarbeiten wollten. Damals hat sich dieses Kollektiv aus verschiedenen Gründen dazu entschieden unterschiedliche, offizielle Verträge auf eine Einzelperson zu schreiben. Über die Jahre hinweg hat sich das Kollektiv ganz natürlich verändert. Leute sind gekommen, andere gegangen, so auch die
Person, die ofiziell den Miet- und Gewerbevertrag unterschrieben hat. Das Kollektiv hat derweil weiter gearbeitet und alle Geschäfte geführt. Der Vertragsinhaber war unterdessen etliche Jahre nicht in Berlin, was sich schließlich vor ca. 1,5 Jahren geändert hat. Er kam unangekündigt zurück und wollte wieder Teil des Kollektivs sein, was von uns an sich hingenommen wurde. Allerdings stellte sich relativ schnell heraus, dass das jetzige Kollektiv und der Vertragsinhaber offensichtlich sehr unterschiedliche Auffassungen von kollektivem Arbeiten haben.

Für uns heißt kollektives Arbeiten, dass Entscheidungen gemeinsam und auf Augenhöhe getroffen und getragen werden. Er handelte bewusst gegen kollektiv getroffene Entscheidungen was zu Konflikten führte. Eine angestrebte Mediation kam trotz vorheriger Einwilligung nicht zustande, da er das Kollektiv vorher verließ.

Auch im Nachgang haben wir auf verschiedenen Ebenen versucht, mit ihm gemeinsam Lösungen zu finden für soziale, berufliche und finanzielle Probleme. So haben wir ihm vor mehr als einem Jahr angeboten, an der Tatsache, dass er Gewerbeinhaber ist, etwas zu verändern, was er ablehnte.Auch verschiedene an ihn herangetragene Optionen, seine finanzielle Situation jenseits der Meuterei zu
stabilisieren, wurden von ihm ausgeschlagen oder nicht weiter verfolgt.

Zudem haben wir ihm vertraglich zugesichert, dass wir für jegliche Kosten aufkommen werden, die der Betrieb der Meuterei und die Weiternutzung nach Mietvertragsende verursachen werden.

Seit einiger Zeit ist es jedoch so, dass er immer wieder finanzielle Forderungen an das Kollektiv stellt und der Meinung ist, dass die Meuterei dazu verpflichtet sei, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Jenseits davon, dass dies für das Kollektiv wie es besteht nicht stemmbar wäre, empfinden wir dies auch anders. Auch fordert er, auf Entscheidungen des Kollektivs Einfluss zu nehmen. Nach
Drohungen, Maßnahmen zu ergreifen, die die Weiterführung der Meuterei unmöglich gemacht hätten, haben wir bei Teilen der finanziellen Forderungen nachgegeben.

Schlussendlich haben wir uns nicht mehr auf immer weitere Forderungen eingelassen, wodurch nun die Situation darin gipfelte, dass Personen des Meuterei-Kollektivs von ihm postalisch gekündigt wurden und er auf die Herausgabe der Räume an ihn drängt.

Wir persönlich sehen diesen Vorgang als drohende Räumung unseres „Vermieters“ an. Ein weiterer Unterschied dazu, keinen Mietvertrag mehr zu haben, ist jetzt der, dass wir offiziell nicht mehr da arbeiten und damit auch das Gewerbe nicht mehr weiterführen können.

Was wir mit all dem hier eigentlich sagen wollen…

Wir lieben die Räume in der Reichenberger 58 und wir lieben unseren Kiez. Allerdings sind wir selbstverliebt genug um zu behaupten, dass die Meuterei nicht die Räume in der Reiche 58 sind, sondern wir, das Kollektiv und ihr.

Wir haben uns am Mietvertragsende dazu entschieden in den Räumen zu bleiben und für den Erhalt dieser zu kämpfen. Das sehen wir auch immer noch so. Wir hielten es für wichtig die Räume so lange es geht offen zu halten und als Kneipe weiterzubetreiben. Schließlich hat Corona dazwischen gefunkt und wir mussten vorerst zumachen.

Allerdings haben wir durch die Situation jetzt keine Möglichkeit mehr eine legale Kneipe dort zu betreiben. Daher besteht die Möglichkeit, dass die Meuterei, wie ihr sie kennt, vielleicht nicht wieder aufmachen wird.

Wir stehen immer noch zu unseren politischen Entscheidungen. „Keine Beute mit der Meute“ bezieht sich sowohl auf geldgeile Investor*innen, als auch auf machtgierige Möchtegern-Chefs. Wir haben einige Gerüchte gehört, was der Vertragsinhaber vorhaben würde, was davon stimmt ist uns relativ egal. Wir wollen vor allem klarstellen, dass wir weder aufgeben oder verschwinden, noch uns vereinnahmen lassen. Wenn in nächster Zeit etwas von der „Meuterei“ veröffentlicht wird oder euch zu Ohren kommt, was ihr komisch findet, kann es gut sein, dass das nicht von uns kommt. Bitte seid darauf gefasst. Vertrauenswürdig dabei sind unsere Website (meuterei.tk), die Website der Unterstützer*innen-Gruppe ‚Leute für die Meute‘ (leutefuerdiemeute.noblogs.org) und deren Twitter Account (@keinebeute). Außerdem auch immer noch unsere E-Mail Adresse (meuterei@riseup.net <mailto:meuterei@riseup.net>)Wir stehen in dieser Situation immer noch als ein geschlossenes Kollektiv zusammen gegen die Meinung und Auffassung des Vertragsinhabers. Wir diskutieren zwar sehr viel in diesem Zusammenhang und wir streiten uns auch, aber es gibt keinerlei Grüppchenbildung oder Spaltungen. Das Meuterei-Kollektiv sind wir. Wir stehen auch weiterhin mit unseren Freund*innen der anderen (bedrohten) Projekte, der Interkiezionale. Unser Kampf geht weiter, wir haben nur einen neuen unberechenbaren Gegenspieler dazu bekommen.

Wir wissen nicht was in den nächsten Tagen oder Wochen passieren wird. Haltet euch auf dem Laufenden, wenn ihr uns seht sprecht uns gerne darauf an!

Euer Meuterei-Kollektiv

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